Ärzte Zeitung, 27.06.2014

BAH

Diskussionsfreudig auch noch mit 60 Jahren

OTC zu Lasten der Kassen? Warum nicht, sagen Politiker. Die Aussagen beim 60-jährigen Jubiläum des BAH waren wohlfeil. Auf der politischen Agenda steht das Thema nämlich nicht.

BERLIN. OTC-Arzneimittel zumindest für Kinder und Jugendliche oder bei ausgewählten Indikationen wieder zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnen zu lassen, haben Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien gefordert.

Auf der politischen Agenda stehe das Thema allerdings nicht, sagte der arzneimittelpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Michael Hennrich (CDU) beim Festakt zum 60-Jährigen Bestehen des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) am Donnerstag in Berlin.

Er werde sich aber dafür einsetzen, dass Ärzte Kindern und Jugendlichen zum Beispiel bei Neurodermitis OTC-Präparate auf Kassenkosten verordnen könnten, sagte Hennrich. Er könne an dieser Stelle jedoch nicht für seine Fraktion sprechen.

Die Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche betonte, sie sei grundsätzlich gegen eine Rückkehr zur Verordnung von OTC-Medikamenten zu Lasten der GKV, halte sie aber in Ausnahmefällen bei bestimmten Indikationen für denkbar.

Eine Korrektur des Preismoratoriums, mindestens einen Inflationsausgleich, mahnte der Hauptgeschäftsführer des BAH, Dr. Martin Weiser, an. Die mittelständischen Unternehmen im Verband könnten für insgesamt achteinhalb Jahre Kosten für steigende Löhne, Rohstoff- und Energiepreise nicht weitergeben.

An dieser Stelle erhielten die Arzneihersteller von den Politikern eher Absagen. Die Reserven der Kassen würden nicht auf dem gegenwärtig hohen Niveau bleiben, sagte Martina Stamm-Fiebig, arzneimittelpolitische Sprecherin der SPD.

An der Preisregulierung als Steuerungsinstrument wollte auch Kathrin Vogler von der Linken festhalten. Ihr Vorschlag: Zielgenauere Zuschläge für Produkte mit hohen Entwicklungskosten und nachgewiesenem Patientennutzen.

Der Vorstandsvorsitzende des BAH, Hans Regenauer, betonte in seiner Ansprache, dass die rund 400 Mitgliedsunternehmen mit rund 80.000 Beschäftigten auch zehn Jahre nach dem erzwungenen Ende der Erstattungsfähigkeit mit dem dadurch ausgelösten Imageverlust dieser Arzneimittel zu kämpfen habe.

"Wir wollen den Nutzen rezeptfreier Arzneimittel stärker in den Mittelpunkt stellen", sagte Regenauer. Sein Wunsch an die Politik: "Nicht nur fiskalische Parameter sollen entscheiden über die Gesundheit der Menschen in diesem Land".

Gesundheitsstaatssekretär Lutz Stroppe bot den Unternehmen den von der Regierung geplanten Pharmadialog als Forum an. "Wir müssen über den Standort Deutschland sprechen", sagte Stroppe. Das Land müsse Produktionsstandort bleiben, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Der Franziskanermönch Paulus Terwitte forderte als Festredner von der versammelten Unternehmerschaft die Rückbesinnung auf ureigene Werte. Die Unterwerfung unter Werte sei ein wesentlicher Teil der menschlichen Freiheit. Arzneimittel würden hergestellt, um den Menschen zu dienen. Dies sei ein hoher Anspruch.

Unternehmer müssten bereit sein, eher einen persönlichen Nachteil in Kauf zu nehmen, als etwas zu verkaufen, was anderen schaden könne, sagte Terwitte. Dies gelte auch für Ärzte. Die Mediziner dürften Patienten nicht übertherapieren, nur weil sie dafür bezahlt würden. Die Fähigkeit zu dienen, erkenne man an der Fähigkeit, nein zu sagen. (af)

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