Ärzte Zeitung, 17.11.2014

BPI

Auch Arzneien wirken präventiv

BERLIN. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) fordert, Prävention durch Arzneimittel in einem künftigen Präventionsgesetz zu verankern. "Auch Medikamente verhindern Krankheiten", erklärte Dr. Martin Zentgraf in Berlin. Der BPI-Chef möchte, dass der Infektionsschutz zum Gesundheitsziel zu erklärt und gesetzlich verankert wird.

Wie berichtet will die Bundesregierung, Prävention und Gesunderhaltung ab 2016 mit mehr als 500 Millionen Euro fördern. Der Referenten entwurf setzt vor allem auf Prävention in Lebenswelten. "Wenn man das liest, hat man den Eindruck, dass Prävention nur bezogen auf die Lebenswelten angelegt ist und auf keinen Fall medizinisch indiziert sein sollte", kritisierte Zentgraf auf dem BPI-Unternehmertag in Berlin.

Dabei sei es vor allem neu entwickelten Medikamenten zu verdanken, dass übertragbare Krankheiten wie etwa Aids oder Hepatitis C mittlerweile gut behandelt werden können. "Die Viruslast bei den Betroffenen lässt sich durch die Therapien reduzieren, und dies mindert die Infektionsgefahr erheblich", sagte Zentgraf.

Bislang aber werde das "beseitigte Infektionsrisiko" durch neue Wirkstoffe in der frühen Nutzenbewertung nicht gewürdigt. "Wer Prävention ernst meint, muss das ändern", erklärte Zentgraf.

Dr. Klaus Schlüter, Geschäftsführer der Sanofi Pasteur MSD GmbH, sieht Deutschland auf dem Weg zu einem "Exporteur von Masern-Infektionen", da es die Impf-Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zunehmend verfehle.

Zum einen liege hierzulande die Impfrate bei Masern mit 92 Prozent unter der WHO-Vorgabe von 95 Prozent. Zum anderen kam es 2013 zu 1775 Infektionen und somit zu weit mehr als die WHO mit der Marke von einem Fall auf eine Million Einwohner vorgibt.

Deutschland würde erst dann als "masernfrei" gelten, wenn sich höchstens 82 Personen pro Jahr anstecken würden. Schlüter forderte, über gesetzliche Vorgaben die Impfbereitschaft zu steigern. Er schlug vor, konkrete Impfziele und entsprechende Umsetzungsschritte in der nationalen Präventionsstrategie festzulegen.

Auch sollten vermehrt verlässliche Daten zum Impfen erhoben werden und der Impfstatus bei Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen verpflichtend gecheckt werden. (wer)

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