Ärzte Zeitung, 23.02.2015

Arzneimittel

Trend zur ambulanten Medizin treibt Ausgaben hoch

Dass die Arzneimittelausgaben 2014 deutlich zulegten, hat mehrere Gründe -  dazu gehört auch die wachsende Zahl ambulant behandelter schwer kranker Patienten.

Von Florian Staeck

Trend zu ambulanter Medizin treibt Ausgaben nach oben

Die Arzneimittelausgaben haben 2014 deutlich zugelegt.

© Uwe Bumann / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Gestiegene Ausgaben, stagnierende Menge: Die Ausgaben für Arzneimittel und Testdiagnostika sind im vergangenen Jahr in der GKV um 9,6 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro gestiegen.

Ursache dafür war insbesondere der von 16 auf sieben Prozent (bis April 2014 sechs Prozent) gesunkene Zwangsabschlag für Hersteller, meldet das Beratungsunternehmen IMS Health.

Im vorvergangenen Jahr hatten sich die Abschläge von Herstellern und Apotheken zugunsten der gesetzlichen Kassen auf rund 3,9 Milliarden Euro addiert. Hinzu kamen noch einmal 476 Millionen Euro Rabatt zugunsten der PKV.

2014 sank der Herstellerrabatt von knapp 2,8 auf 1,66 Milliarden Euro (minus 40 Prozent). Der Zwangsobolus der Apotheken blieb mit 1,13 Milliarden Euro praktisch unverändert.

Antivirusstatika wachsen besonders stark

Ein Blick auf die nach Umsatz führenden Indikationsgebiete im GKV-Markt zeigt, dass Antivirusstatika, die nicht zur HIV-Therapie eingesetzt werden, besonders stark gewachsen sind.

Die Neueinführungen zur Hepatitis C-Therapie haben für einen Ausgabensprung von rund 250 auf 757 Millionen Euro in diesem Indikationsgebiet geführt.

Ebenfalls deutlich gewachsen ist der Umsatz von Immunmodulatoren und Krebstherapeutika mit jeweils über 20 Prozent. Allein die führenden 15 Indikationsgebiete repräsentieren ein Umsatzvolumen von über 40 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben.

Der Zuwachs sei auch ein Ergebnis des Trends, dass mit innovativen Therapien schwer erkrankte Patienten immer häufiger ambulant behandelt werden können, erläutert IMS Health.

Dynamisch hat sich im abgelaufenen Jahr auch der Impfstoffmarkt entwickelt. Insgesamt sind die Ausgaben um 16 Prozent auf rund eine Milliarde Euro gestiegen. Dabei haben alle Segmente bei den Vakzinen im zweistelligen Bereich zugelegt.

Abgegebene Packungen stabil

Fast stabil geblieben ist mit 694 Millionen die Zahl der abgegebenen Packungen im Vergleich zu 2013 (plus 0,2 Prozent). Allerdings hat es - wie schon 2013 - zwischen den einzelnen Packungsgrößenklassen deutliche Bewegung gegeben.

Der Anteil der N1- und N2-Packungen nahm um vier (N1) und zwei (N2) Prozent ab. Hingegen wuchs der Anteil der N3-Großpackungen um drei Prozent. Dabei stellt sich die Entwicklung bei Generika und patentgeschützten Medikamenten stark unterschiedlich dar.

Im Generikamarkt schrumpfte die Abgabe von N1- und N2-Packungen mit minus fünf und minus drei Prozent deutlich. Dagegen verbuchten Großpackungen ein Plus von fünf Prozent.

Bei patentgeschützten Medikamenten legten alle Packungsgrößen-Klassen zu, N3-Packungen mit sechs Prozent aber am stärksten.Bei den rezeptfreien Arzneimitteln hat im Vorjahr der Umsatz mit 4,4 Milliarden Euro um 2,8 Prozent zugelegt.

Die Menge der abgegebenen Packungen entwickelte sich mit 800 Millionen um 0,6 Prozent rückläufig. Hierbei muss die starke Erkältungs- und Grippewelle Anfang 2013 berücksichtigt werden, die im Vorjahr ausgeblieben ist.

[24.02.2015, 08:08:47]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Die Überschrift ist eher irreführend.
Es geht also um die Arzneimittelpreise. Die "ambulante Medizin" sollte daher Klinik-Rabatte für Arzneimittel erhalten. Aber das soll ja durch ein spezielles Gesetz für Ärzte strafbar gemacht werden, wenn ich das richtig verstanden habe. zum Beitrag »

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