Ärzte Zeitung online, 29.09.2015

vfa

Deutsche Pharma-Forschung im Aufwind

328 neue Medikamente könnten bis 2019 zugelassen werden. Die Bedeutung heimischer Labors nimmt dabei zu, wie aus einer Analyse des vfa hervorgeht.

Von Florian Staeck

Deutsche Pharma-Forschung im Aufwind

Pillen und Tabletten: Die Zahl der Wirkstoffe aus deutschen Labors nimmt zu.

© FotografiaBasica / iStock.com

BERLIN. Deutschland ist nicht mehr die Apotheke der Welt, doch die Bedeutung der heimischen Pharma-Forschung wächst wieder.

Deutsche Labors sind im laufenden Jahr an der Entwicklung von 21 neuen Wirkstoffen beteiligt, die bis 2019 eine Zulassung erhalten könnten. Das entspricht zwölf Prozent aller Substanzen, die zurzeit in der Pipeline sind.

Das geht aus einer Erhebung des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt worden ist. Vor sechs Jahren lag die Zahl der Wirkstoffe, die in deutschen Labors maßgeblich mitentwickelt wird, noch bei 14.

34 Prozent in der Onkologie

Nach einer Erhebung des Verbands unter den 46 Mitgliedsunternehmen haben diese gegenwärtig 328 Projekte in der Pipeline, die bis 2019 zulassungsreif sein könnten und sich derzeit mindestens in Phase-2-Studien befinden, erläuterte Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung.

Von diesen Projekten entfällt mehr als ein Drittel (34 Prozent) auf das Indikationsgebiet Krebs. 18 Prozent der Projekte beschäftigen sich mit Entzündungs- und 15 Prozent mit Infektionskrankheiten.

Hier gebe es auf molekularer Ebene eine "Fülle neuer Erkenntnisse", die Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe bilden können, berichtete Throm.

Im Vergleich zu früheren Jahren geringer gefüllt ist die Pipeline mit möglichen Wirkstoffen gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten (acht Prozent).

Rar gesät sein werden bis 2019 neue Wirkstoffe gegen psychische (zwei Prozent) und neurodegenerative Erkrankungen (ein Prozent). Auch auf Diabetes Typ 2 entfallen lediglich zwei Prozent der gegenwärtig der Forschungsprojekte.

Starke Stellung Deutschlands

Ganz anders sieht das etwa beim Lungenkrebs aus. Hier erwartet der vfa bis 2019 allein 17 Medikamente gegen den nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), drei gegen kleinzelligen und zwei neue Medikamente gegen plattenepithelialen Lungenkrebs, berichtete Throm.

Gegen chronische Atemwegsinfektionen haben die Unternehmen zurzeit zwei inhalierbare Antibiotika auf Basis bekannter Wirkstoffe in der Entwicklung, zwei weitere Wirkstoffe könnten nach der Zulassung gegen multiresistente gramnegative Bakterien eingesetzt werden.

13 Prozent der insgesamt beforschten Wirkstoffe adressieren seltene Krankheiten. Unter den 42 Projekten sind solche gegen die Sichelzellenkrankheit, Myelofibrose oder spinale Muskelatrophie.

Fast die Hälfte der gesamten Forschungsprojekte (48 Prozent) sieht nach Angaben des vfa auch eine parallele pädiatrische Entwicklung vor.

Bei 55 der 155 Entwicklungen seien bereits Studien mit Kindern oder Jugendlichen vor. Dieser Anteil war in den vergangenen Jahren deutlich geringer - vor vier Jahren hatten nur 32 Prozent der damals mindestens in Phase II beforschten Substanzen auch Minderjährige im Fokus.

Zweiter Platz für Deutschland

Deutschland hat international eine starke Stellung und liegt nach den USA bei klinischen Studien auf dem zweiten Platz, berichtete vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.

Kliniken und Praxen in Deutschland seien an 83 Prozent der Projekte von vfa-Unternehmen beteiligt. Damit werde kaum ein neues Medikament ohne deutsche Beteiligung zugelassen, konstatierte Fischer.

Deutschland liegt bei der Zahl der forschenden Mitarbeiter mit 16.100 international auf Platz 4 hinter den USA, Großbritannien und Frankreich.

Anders sieht das bei den F&E-Ausgaben im Jahr 2013 aus: Hier liegt Deutschland mit sechs Milliarden Euro auf dem dritten Platz hinter Japan und den USA.

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