Ärzte Zeitung, 31.08.2016

Homöopathie

1,20 Euro für die Globuli

Homöopathie wirkt: Sie löst Adrenalinschübe bei EBM-Verfechtern aus. Die Kosten rechtfertigen das nicht.

Von Helmut Laschet

NEU-ISENBURG. Die drei Todesfälle in einer niederrheinischen Heilpraktiker-Praxis haben - losgelöst von den Fakten des Falls - eine Debatte um die Erstattung von homöopathischen Arzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgelöst (die "Ärzte Zeitung" berichtete in ihrer App-Ausgabe). Unter anderem beteiligt: der GBA-Vorsitzende Professor Josef Hecken, der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen, die Industrieverbände BAH und BPI sowie naturgemäß der Zentralverband der Homöopathen. Therapiefreiheit fordern die einen, Beschränkung der GKV-Leistungen auf solche mit nachgewiesener Wirkung die anderen. Ein Faktencheck zeigt jedoch: Es ist ein Sturm im Wasserglas.

In der Tat erlaubt der Gesetzgeber den Krankenkassen, in ihren Satzungen grundsätzlich ausgeschlossene rezeptfreie Arzneimittel zu erstatten. Davon machen viele Krankenkassen - aus Wettbewerbsgründen - Gebrauch, vor allem zugunsten von Homöopathika. Tatsächlich sind die Kosten dafür aber eher bescheiden, wie aus der Publikation "Arzneimittelmarkt in Deutschland 2015" des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller hervorgeht: Auf Rezept verordneten Ärzte im vergangenen Jahr etwas mehr als acht Millionen Packungen homöopathischer Arzneimittel, der Umsatz zu Apothekenverkaufspreisen belief sich auf 100 Millionen Euro, einschließlich privater Krankenversicherung. Das belastet die Versichertengemeinschaft demzufolge mit weniger als 1,20 Euro pro Kopf und Jahr.

Weitaus größer ist die Bereitschaft der Bürger, für Homöopathika in die eigene Tasche zu greifen: Denn insgesamt setzen Apotheken und Versandhandel knapp 600 Millionen Euro mit diesen Arzneimitteln um. Zieht man den Verordnungsanteil von 100 Millionen Euro ab, so verbleiben fast 500 Millionen Euro, die Patienten im Wege der Selbstmedikation eigenverantwortlich ausgeben.

Das ist zwar - gemessen am Gesamtmarkt für Selbstmedikation mit einem Volumen von über 6,4 Milliarden Euro - ein nur kleiner Anteil von sieben Prozent. Aber ein Teilmarkt mit beachtlicher Dynamik: plus 11,8 Prozent in Apotheken, plus 18,6 Prozent im Versandhandel. Und überdies ein Markt, in dem Preiserhöhungen statthaft sind, weil das gesetzliche Preismoratorium hier nicht gilt.

Zur Einordnung interessant: Der gesamte Apothekenumsatz für Arzneimittel einschließlich Patientenzuzahlung (ohne Berücksichtigung gesetzlicher Rabatte) beträgt 53,6 Milliarden Euro.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Homöopathische Dosis

[12.09.2016, 11:56:28]
Dr. Henning Fischer 
@ Jörg Rinne
ich habe mal versucht, etwas über die Kosten und die Bezugsquellen von 3-Bromopyruvat herauszubekommen: nichts zu machen. Schwarzhandel?

Auf jeden Fall erscheinen mir Behandlungskosten von 10.000 Euro pro Patient wie heilpraktikerüblich weit überzogen.

Egal ob es hilft oder schadet.

 zum Beitrag »
[12.09.2016, 11:16:33]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Jörg Rinne
Seit Tagen beschäftigen mich die Angriffe aus Medien und Nachrichtenagenturen, adressiert an den Heilpraktiker und das 3 Bromopyruvat, sodass auch ich die Recherche aufgenommen habe.

Unter dem Aspekt in welchen Bereichen wir hier die Warburg-Hypothese streifen oder wie viel ist dran, an den Aussagen der sog. Offiziellen, hatte ich wohl einige Gespräche mit vielen Therapeuten.
Meine erste Stellungnahme hierzu war; einen Moment bitte mal – Wir wissen nicht um welche Karzinome es sich handelt, wir wissen nicht in welchen Stadium sich die Patienten befanden, wir wissen nicht wie und wie oft, vor allem mit was sie vorbehandelt waren und in welchem Zustand die Patienten vielleicht die letzte Hilfe suchten.

In wie vielen Kliniken könnten wir gehen und tragische Fälle dokumentieren, in denen Patienten an den Folgen einer Chemotherapie/Radatio verstorben sind, - niemand stört sich daran und niemand wagt es, offiziell diese Therapien anzugreifen. Wer überwacht und hinterfragt die sog. unabhängigen Gutachter in solchen Fällen, wer prüft denn wie gut tatsächlich die Lei(d)linien sind? Zum Teil sind sie noch festgeschrieben aus den 1960er Jahren.
Tatsächlich gibt es aber mindestens einen genau dokumentierten Anwendungsfall beim Menschen:
Prof. Dr. Vogl (Radiologie/Uni Frankfurt) hatte mit Absegnung der Ethik-Kommission der Klinik 3BP bei einem 16 jährigen Patienten mit Leberkrebs im Endstadium eingesetzt und darüber berichtet: „Der Patient konnte viel länger und mit einer besseren Lebensqualität leben, als erwartet wurde“, schreiben die Autoren – darunter auch Vogl. „Dies kann klar der Behandlung mit 3-BP zugeschrieben werden.“
Die sicher interessantesten Arbeiten zu 3BP stammen wohl von Dr. Peter L. Pedersen, z. B.: Pedersen PL (2007). Warburg, me and Hexokinase 2: Multiple discoveries of key molecular events underlying one of cancers' most common phenotypes, the "Warburg Effect", i.e., elevated glycolysis in the presence of oxygen. J Bioenerg Biomembr 39(3):211-222.

Soviel erst einmal zu dem Fall, der derzeit durch die Medien geistert.

Jörg Rinne,
Heilpraktiker aus Riedstadt zum Beitrag »
[02.09.2016, 08:12:16]
Wolfgang P. Bayerl 
Sehr geehrter Herr Helmut Laschet die 1,20 Euro sind eine Verschleierung des Problems ...

... um hier nicht noch deutlicher zu werden, es geht hier doch nicht nur um die Kosten der Globuli.

Eine ehrliche Diskussion beginnt erst da wo gefragt wird,
was darf ein Heilpraktiker ohne medizinische Ausbildung und was darf er nicht.
Und hier werden auch von Ihnen die Augen fest zugedrückt, denn das Heilpraktikergesetz ist ja kein Geheimnis,
danke Herr Kollege Schätzler, dass Sie auf diese Tabu hinweisen:

Er darf eigentlich ALLES, komischerweise bis auf die eher harmlose Zahnmedizin, die normalerweise kein Mortalitäsrisiko hat. Oder zeigen Sie mir, wo im Gesetz verboten ist, dass er Krebs behandeln darf, na klar darf er das, das beeilt sich ja auch schon die Staatsanwaltschaft im Fall Brüggen zu betonen!
kein Einspruch???
Staatsanwaltschaft:
"Dass der Heilpraktiker Klaus R. das Präparat verwenden durfte, steht für die Staatsanwaltschaft außer Frage. Es sei zwar in Deutschland nicht zugelassen. Aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, seine Anwendung sei verboten, sei nicht korrekt. ... Heilpraktiker dürften in Deutschland derartige experimentelle Verfahren anwenden, solange sie nicht verboten seien." Schon gar kein Grund für Haft. (Pauschalpreis für zehn Wochen: 9900 Euro)
noch deutlicher,
wo ist denn verboten, dass dass er eine Blinddarmoperation machen darf????
Und wenn er eine akute Appendizitis mit Globuli behandelt, weil er nicht operieren kann, auch wenn er es darf, ist das auch nicht verboten.

Noch Fragen???
Dagegen ist die ärztliche Tätigkeit mit Verboten und finanzielle Einschränkungen nur so gepflastert.
Das ist das kollektiv verdrängte Problem einer Verabschiedung von staatlicher Fürsorgepflicht für den kranken Menschen, die auch von den Kostenträgern betrieben wird! Solidarisch wäre hier eine höhnische Verwechslung der Wortbedeutung. Ein exzellenter Chirurg, der unbestritten mit Lebertransplantationen Leben rettet darf aber mit dem Beifall der Medien monatelang in Untersuchungshaft gesteckt werden, grundlos, wie sich schließlich herausstellt, nicht nur weil es keine "12-fachen Toten" gab.

@HP Mona Ziegler
Was hier als Rechtfertigung für Pseudomedizin noch angeführt wird, ist die scheinbar fachliche Kritik von Laien an Medizinern,
die z.B. schon bis zum Physikum mehr über Ernährung gelernt haben als jeder HP.
Was wollen Sie hier einem Arzt, der hier tätig ist, beibringen?
Das frage ich auch manchen anderen Ernährungsberater ohne medizinische Ausbildung. zum Beitrag »
[01.09.2016, 07:28:42]
Birgit Neuhaus 
Homöopathie, Heilpraktiker und das 21. Jahrhundert
Ich kann Hr. Kollegen Schätzler nur zustimmen!

Nicht die Homöopathie tötet Patienten, sondern die Behandlung von kranken Menschen bar jedes medizinischen Wissens gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung und mangelnder Selbstkritik.

Während die Politik ständig damit beschäftigt ist, den ärztlichen Berufsstand zu gängeln und der Korruption und sonstiger Vergehen zu verdächtigen, erlangen Menschen, die sich zum Heiler berufen fühlen nur durch das Ablegen einer (meist) Multiple-Choice-Prüfung vor dem Gesundheitsamt die Erlaubnis quasi-ärztlich Patienten zu behandeln.

Natürlich gibt es auch Heilpraktiker, die eine Schule durchlaufen haben. Nichtsdestotrotz ist die Ausbildung in einer Heilpraktikerschule wohl kaum mit Studium, Staatsexamen und Facharztausbildung zu vergleichen.

Der größte Kalauer in diesem Zusammenhang ist meiner Meinung nach, dass staatlich geprüfte Physiotherapeuten, die eine mehrjährige Osteopathie-Ausbildung (die schwer und teuer ist) durchlaufen haben, diese Heilmethode nur abrechnen dürfen, wenn sie die Heilpraktiker-Prüfung ablegen, weil in Deutschland nur Ärzte und Heilpraktiker diagnostizieren dürfen(!)

Wann greifen endlichen die Verantwortlichen - und dazu zähle ich auch unsere Standesvertreter - diesen, im Zeitalter des Qualitätsgedankens mehr als unzeitgemäßen Unsinn endlich auf und setzen sich für eine Abschaffung dieses Nazi-Gesetzes ein????

MfG
Dr. med. B. Neuhaus
FÄ (nach jahrelangem Durchlaufen der Weiterbildungsordnung) mit Zusatzbezeichnungen, die ebenfalls jahrelange Ausbildung und Prüfung vor der Ärztekammer verlangten  zum Beitrag »
[31.08.2016, 18:51:06]
Mona Ziegler 
Kommentar zum Kommentar von Dr. Schätzler
Sehr geehrter Dr. Schätzler,

das HPG ist völlig antiquarisch - das stimmt. Und gefällt uns HPs auch nicht. Aber dass ein Medizinstudium vor Fehlbehandlungen schützt, kann nun leider auch nicht behauptet werden.

Man schaue nur diesen Artikel an: https://www.springermedizin.de/osteoporose/internistische-arzneimitteltherapie---pharmakotherapie/knochenbrecher-fliegen-selten-aus-der-pillendose/10621528?wt_mc=nl.upd.SM_NL_UPDATE_ALLGEMEINMEDIZIN.Knochenbrecher+fliegen+selten+aus+der+Pillendose.L_5.x

Und das ist nur e i n relativ harmloses Beispiel. Man könnte wohl Bücherregale damit füllen.

Was mich immer wieder Wunder nimmt ist, wieso im Medizinstudium eigentlich nichts (oder fast nichts) über Ernährung gelehrt wird. Die jungen Menschen und angehenden Mediziner verlieren somit das grundlegende Wissen, um die Wichtigkeit von Ernährung für die Gesundheit. Man bräuchte so viel weniger Ärzte, Kliniken, OPs und Medikamente - und Heilpraktiker :-) - wenn die Bevölkerung sich gesund (gesund!) ernähren würde.

Am Ende muss einfach jede/r selbst entscheiden, von wem er sich behandeln lässt. Ich zB arbeite gut mit einer niedergelassenen Ärztin zusammen. Ich überweise ihr die Patienten, bei denen ich nicht weiterkomme und sie schickt mir die, bei denen sie nicht weiterkommt.

Es ist an der Zeit, das 'Kriegsbeil' zu begraben und aus dem Wissen und den Erfahrungen beider Richtungen Synergien zu schaffen.

Das wäre mein Wunsch und darauf arbeite ich hin.

Alles Gute Ihnen. Mit kollegialen Grüßen,

HP Mona Ziegler


 zum Beitrag »
[31.08.2016, 15:06:39]
Rudolf Hege 
Heilpraktiker = Arzt?
Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,

auch wenn ich Ihrer Einschätzung zustimme, dass der fragliche HP hier unverantwortlich gehandelt hat (Frage: Wäre es verantwortlicher gewesen, wenn er ein Arzt wäre?) muss ich Ihnen doch in einigen Punkten widersprechen:

Entgegen Ihrer Polemik ist der HP einem Arzt keineswegs gleichgestellt. Die ärztliche Approbation ermöglicht ein wesentlich weiteres Betätigungsfeld. Damit meine ich nicht nur die üblichen Einschränkungen (verschreibungspflichtige Arzneimittel, hoheitliche Akte usw.), sondern auch beispielsweise das Verbot bestimmter Laboruntersuchungen (z.B. Mikrobiologie). In der Praxis hat ein angehender Arzt wesentlich mehr Möglichkeiten, seinen Beruf auszuüben. Oder kennen Sie beispielsweise einen "heilpraktischen Neurochirurgen oder Radiologen"? Ich nicht. Und wie viele angestellte HPs in öffentlichen Kliniken kennen Sie?

Es gibt sicher Überschneidungen, insbesondere im Gebiet der Allgemeinmedizin, wo der Patient sich überlegen kann, ob er mit seinen Rückenschmerzen oder seinem Ekzem lieber zum Heilpraktiker oder zum Hausarzt geht. Ich sitze mit Ärzten in den gleichen - naturheilkundlichen - Fortbildungen, was einfach daran liegt, dass Ärzte das in ihrer Ausbildung genauso wenig gelernt haben, wie Heilpraktiker für ihre Zulassung.

Ich habe ein abgeschlossenes Studium - aber in meinem ursprünglichen Fachbereich käme niemand auf die Idee, dass nur jemand mit Studium ein Unternehmen aufmachen dürfte. Im Gegenteil, es gibt sehr erfolgreiche Leute, die haben noch nie eine Hochschule von innen gesehen. Und kein Wirtschaftswissenschaftler empfindet das als "Schlag ins Gesicht".

In der Frage der Ausbildungsordnung für HP ist es bisher mein Eindruck, dass vor allem die Ärzteschaft hiergegen Sturm läuft, weil man auf keinen Fall einen weiteren - dann offiziell qualifizierten - Gesundheitsberuf etabliert haben will. Dann könnte man ja nicht mehr bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass man HP werden kann, wenn man nur den Volksschulabschluss gerade so hinbekommen hat.

Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit der Therapie ohne Medizinstudium bewusst belassen, damit Menschen eine Wahl haben. Wie sehr die Möglichkeiten der Mediziner inzwischen durch EBM und Erstattungsrichtlinien eingeschränkt sind, wissen Sie besser als ich (ist aber nicht die Schuld der Heilpraktiker).

Nebenbei: Gäbe es keine Heilpraktiker mehr, dann würden noch mehr "graue Heiler" entstehen - ohne jede Kontrollmöglichkeit. Schon heute tummeln sich Tausende "Berater" "X-Therapeuten" und "Heiler", die alle offiziell natürlich keine Krankheiten behandeln - aber in der Praxis genau das tun. Jede Nachfrage schafft sich ein Angebot. zum Beitrag »
[31.08.2016, 11:47:08]
Thomas Georg Schätzler 
Ein würdeloses, unzeitgemäßes Heilpraktiker-Gesetz!
Das Problem der drei Todesfälle in einer niederrheinischen Heilpraktiker-Praxis ist n i c h t, wie irrtümlich von Medizin- und Versorgungs-bildungsfremden Kreisen in Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen, die Homöopathie. Diese bezieht sich i. d. R. auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie bzw. mit oder ohne Ärzten/Heilkundigen spontan von selbst ausheilen. Unter diesem "Schutzschirm" ist und bleibt diese "besondere Therapierichtung" (SGB V) in der Bevölkerung ebenso beliebt wie unproblematisch.

Nein, das Hauptproblem sind über-motivierte in "illusionärer Verkennung" ihrer Fähigkeiten, Möglichkeiten und Begrenzungen i n v a s i v und i n t e r v e n t i o n e l l arbeitende Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker: Die anderen kennen ihre professionellen Grenzen!

Geschützt werden Scharlatane, die es im Übrigen auch unter Ärzten geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktiv-Konstruktion:
Akademisch klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit "Erfahrungsheilern" o h n e wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

DARUM IST DAS "HeilprG" EINFACH NUR WÜRDELOS:

Es ist einfach lachhaft! Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung mit Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte "Heilkunde-Erlaubnis" kann man auch billiger haben:

Einfach den "Heilpraktiker" o h n e zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen beliebig austoben.

Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungs-Hürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern bzw. weitere staatliche Aufsichtsbehörden?

Da ist sofort ein völlig unbedarftes "Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz" mit einem geradezu "bahnbrechenden" HEILPRAKTIKERGESETZ VON 1939 zur Stelle und präsentiert das auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet:
https://www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html

"Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz) - HeilprG - Ausfertigungsdatum: 17.02.1939 - Vollzitat":

"Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist".

"Stand: Zuletzt geändert durch Art. 15 G v. 23.10.2001 I 2702
Fußnote(+++ Textnachweis Geltung ab: 1.1.1975 +++)
Eingangsformel Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung "Heilpraktiker".

§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.

§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.

§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.

§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel

§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.

§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft. (2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft."

Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärztinnen und Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung bzw. beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis m i t sogenannter "Bestallung".

Und das vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter "Sieg Heil"-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten u n d jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde.
Denn der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die weiblichen zählten wohl erst gar nicht: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.

D a s ist die eigentliche Enstehungsgeschichte diese würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »