Ärzte Zeitung, 17.07.2013

GBA-Chef Hecken

ASV nur mit Einheitshonorar erfolgreich

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung sorgt lange vor ihrem Start für Auseinandersetzungen hinter den Kulissen: Es geht ums Geld!

Von Anno Fricke

ASV nur mit Einheitshonorar erfolgreich

Eine Chemotherapie wird vorbereitet. Mit schweren Verlaufsformen gastrointestinaler Tumoren soll die spezialfachärztliche Versorgung starten.

© Mathias Ernert

BERLIN. Warum dauert es so lange, die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) nach dem neuen Paragrafen 116 b SGB V aufs Gleis zu setzen?

Mit dieser Frage, die auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bereits mehrmals laut gestellt hat, sehen sich die Vertreter der Selbstverwaltung immer wieder konfrontiert. Denn eigentlich hätte der neue Versorgungsbereich am 1. Januar 2013 den Betrieb aufnehmen sollen.

Die Antwort ist vergleichsweise einfach. Bei der Cognomed-Veranstaltung "ASV vor dem Start - Droht ein neuer Verteilungskampf zwischen Klinik und Praxis?" in Berlin wurde deutlich: Es geht nicht zuletzt ums Geld.

ASV hat Verspätung

Mit mindestens einem Jahr Verspätung muss inzwischen gerechnet werden. Immerhin: Es gibt bereits einen formalen Rahmen für die neuen sektorenübergreifenden Behandlungen.

An den Konkretisierungen für einzelne Indikationen und schwere Verlaufsformen von Krankheiten, zunächst Tuberkulose und gastrointestinale Tumore, wird gearbeitet.

Der unabhängige Vorsitzende des GBA, Josef Hecken, hat die Verzögerungen verteidigt. "Mit schnell und ohne Konsens zusammengezimmerten Lösungen setzen wir möglicherweise eine Richtlinie in Kraft, die am Ende in der Praxis nicht wirkt und leerläuft," sagte Hecken bei der Cognomed-Veranstaltung.

"Der Erfolg dieses Modells steht und fällt damit, dass wir am Ende ein einheitliches Vergütungssystem haben", sagte er.

Es müsse zudem ganz klar sein, dass sich die an der ASV nicht beteiligten Haus- und Fachärzte oder Kliniken finanziell nicht schlechter stellten. "Das wäre unredlich," sagte Hecken.

Misstrauen ist groß

Das, was an Mengen abgebildet werde in der ASV müsse im Rahmen der Budgetbereinigung wieder hereingeholt werden.

Das erkläre einen Teil der Diskussionen über die Abgrenzungen zwischen Regelversorgung und der extrabudgetär abzurechnenden ASV sowie über die Frage, wie fachlich nicht gerechtfertigte Mengenausweitungen verhindert werden könnten.

Hecken setzt darauf, Mengenausweitungen mit einer Begrenzung des Leistungskatalogs zu begegnen. Es sei ihm wichtig, in den Bereichen mit Diagnosesicherheit, also bei den gastrointestinalen Tumoren mit der ASV zu beginnen, sagte Hecken.

Da es hier ein gewisses Grundvertrauen bei den Ärzten gebe, könnten sowohl niedergelassene Ärzte als auch Ärzte in den Krankenhäusern daran beobachten, dass die ASV funktioniere, ohne dass der eine den anderen über den Tisch ziehe.

Das Misstrauen ist groß. Mit der ASV und den geplanten kooperativen Strukturen mit möglichst kurzen Wegen zwischen den beteiligten Fachdisziplinen und -ärzten werde grundsätzlich der richtige Weg beschritten, sagte Dr. Franz Josef Heil vom Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen.

Die Ankündigung einiger Bundesländer, ihre Kliniken mit Zuschüssen für die ASV fit zu machen, zeuge jedoch von fehlender Fairness und fördere das Vertrauen der Niedergelassenen in die gesetzliche Regelung nicht.

Dr. Hans-Joachim Hindenburg vom Berufsverband der Niedergelassenen Gynäkologischen Onkologen fehlt der Anreiz. "Wenn die Vergütung auf Höhe des EBM bleibt, brauchen wir nicht mitzumachen," sagte Hindenburg.

Hennrich: Änderungen sind möglich

Im bisherigen Paragraf 116b gebe es bereits Kooperationen zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken, sagte Ingo Seip von der Hessischen Krankenhausgesellschaft.

Die Vergütung habe im Innenverhältnis zwischen dem abrechnenden Krankenhaus und dem niedergelassenen Facharzt stattgefunden und sei aus seiner Sicht immer problemlos gelaufen.

Der Gesetzgeber habe der Selbstverwaltung bei der Gestaltung derASV viel Spielraum gegeben, auch in der Frage der Vergütung. "Die Probleme sind lösbar," sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich.

Er schließe nicht aus, dass es von politischer Seite noch Änderungen an dem Paragrafen geben könnte, nicht aber am Gesamtkonzept.

Zum Stand der dreiseitigen Verhandlungen zwischen Ärzten, Krankenhäusern und Kassen über die Vergütungen berichtete KBV-Justiziar Horst Dieter Schirmer.

Es seien Arbeitsgruppen gebildet worden, die die Geschäftsordnung des Ergänzenden Bewertungsausschusses für die erste Vergütungsphase nach EBM erarbeiteten und sich mit Fragen der Abrechnung beschäftigten.

Zum tatsächlichen Start der ASV gehen die Prognosen auseinander. Dr. Mechthild Schmedders vom GKV-Spitzenverband geht zu 100 Prozent davon aus, dass das Projekt gelingen, aber wohl erst im zweiten Quartal 2014 sichtbar werde.

Dr. Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft hält den neuen Bereich für überreguliert. Der Auftakt falle wohl eher ins Jahr 2015, sagte Bruns.

[18.07.2013, 10:59:44]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Wolfgang Abenhardt
Der Bericht birgt gefährliche Fehlinterpretationen: Das von Herrn Hecken verlangte einheitliche Vergütungssystem bedeutet keinesfalls Einheitshonorar. Ganz im Gegenteil soll ja in der ASV wieder leistungsbezogen - ohne Budgetierung und Mengenbegrenzung - honoriert werden, also gerade kein Einheitshonorar, sondern eine einheitliche, aber leistungsbezogene, Honorierung ambulant und stationär. Diese hebt sich - politisch gewollt - von der Honorierung der Nicht-ASV-Ärzte ab.
Somit muss die Nicht-ASV eine finanzielle Schlechterstellung mit sich bringen, sonst wird sich keiner den hohen Leistungsanforderungen der ASV unterziehen, wie Herr Dr. Hindenburg trefflich kommentiert.
Bitte achten Sie auf korrekte Formulierungen. Sonst wird das zarte Pflänzchen - ohne Medienunterstützung - tatsächlich ein Rohrkrepierer.
Dr. Wolfgang Abenhardt,
MVZ Onkologie im Elisenhof


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