Ärzte Zeitung online, 19.11.2013

Koalitionsverhandlung

Schwarz-Rot plant ASV 2.0

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist noch nicht richtig am Start, da wird der neue Versorgungsbereich schon erweitert. Hinter den Plänen stecken einige interessante Details.

Von Anno Fricke

Schwarz-Rot plant ASV 2.0

Ambulante Operieren solln in die ASV.

© Klaus Rose

BERLIN. Aus zwei mach eins: Die mutmaßlich künftige schwarz-rote Regierung will die Regelungen zur Versorgung über Klinik- und Praxisgrenzen hinweg vereinheitlichen. Auch die ASV soll mit in das Bündel aufgenommen werden - und das ambulante Operieren beinhalten.

Damit plant Schwarz-Rot etwas, was schon Schwarz-Gelb vorhatte. Denn Teilbereiche des ambulanten Operierens hatte bereits die Koalition aus Union und FDP ursprünglich der ASV zugeschlagen.

"Zudem werden Teilbereiche ambulanter Operationen und stationsersetzende Leistungen (nach Paragraf 115b SGB V) einbezogen, sofern diese vom Gemeinsamen Bundesausschuss gemäß seinem Auftrag nach Absatz 5 dem Bereich der spezialärztlichen Versorgung zugeordnet, konkretisiert und entsprechend Absatz 3 näher ausgestaltet werden", hieß es noch im Entwurf des Versorgungsstrukturgesetzes. Ins Gesetzblatt schaffte es das Vorhaben jedoch nicht.

Der Gesetzentwurf nannte als Beispiele für ambulantes Operieren in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung unter anderem Operationen am Rückenmark, bestimmte Nasenoperationen, Implantation, Entfernung und Wechsel von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren, Koronarangiographien, schwierige Operationen an Blutgefäßen, Entfernung von Lymphknoten und Lymphgefäßen, komplexe endoskopische Operationen, Inzisionen am Knochen oder spezielle Handchirurgie.

Bundesverband ASV signalisiert Zustimmung

Beim Bundesverband ASV stoßen die jetzigen Vorhaben auf Zustimmung. "Die Einbeziehung des ambulanten Operierens in den Paragrafen 116b SGB V ist dabei durchaus sinnvoll. Denn derzeit existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Rechtsgrundlagen für die ambulante Tätigkeit von Krankenhäusern mit höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen", sagte Verbandsvorsitzender Dr. Axel Munte der "Ärzte Zeitung".

Die Pläne der großen Koalition in Gründung sehen ferner vor, ein neues Qualitätsinstitut für die stationäre Versorgung aufzubauen. Das soll Routinedaten sammeln, auswerten und einrichtungsbezogen veröffentlichen. Dies soll sektorenübergreifend geschehen, weswegen davon auch die Vertragsärzte betroffen wären.

Munte hält es für zielführend, bei diesem Institut auch die Qualitätssicherung und -förderung der ASV anzusiedeln. Dies könnte eine Erleichterung für die sich derzeit bildenden ASV-Teams bedeuten und bundesweit einheitliche Maßstäbe hervorbringen.

"Aktuell ist die Verantwortlichkeit für die Qualitätsüberprüfungen in der ASV nicht klar geregelt. Ein Teil der Kompetenzen liegt beim Erweiterten Landesausschuss, ein Teil bei den Krankenkassen", sagte Munte. In der Umsetzung des alten Paragrafen 116b hatte es deshalb große regionale Unterschiede gegeben.

Neues Institut müsste Register aufbauen

Eine einheitliche und neutrale Qualitätsprüfung wäre auch notwendige Voraussetzung für die Einführung einer qualitätsorientierten Vergütung in der ASV, wie sie im Koalitionspapier für den Krankenhausbereich vorgesehen ist.

Faktisch sei dies eine Übertragung des auf die ambulante Versorgung bezogenen Qualitätsparagrafen 136, Absatz 4 SGB V auf das Fallpauschalen-System, sagt Munte.

Das neue Qualitätsinstitut könnte nach Auffassung von Munte ein weiteres Problem lösen: Nämlich den Aufbau von Registern für die unter die ASV fallenden Krankheitsbilder.

Allerdings müssten die Datensätze einheitlich sein, sowie elektronisch erhoben und übermittelt werden können, sagte Munte. Nur so könne eine hohe Datenqualität für Versorgungsforschung gewährleistet werden.

Die mit dem Versorgungsstrukturgesetz beschlossene ambulante spezialfachärztliche Versorgung soll im kommenden Jahr an den Start gehen. Erste Indikationen werden schwere Verläufe gastrointestinaler Tumoren und als seltene Krankheit die Tuberkulose sein.

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