Ärzte Zeitung online, 16.11.2015

ASV

Auf Versorgung fokussieren!

Experten in Nordrhein-Westfalen sehen die Umsetzung der ASV kritisch — und bemängeln, nach wie vor fehle die technische Infrastruktur.

HERNE. Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) biete den niedergelassenen Ärzten die Chance, schwer kranke Patienten endlich so sachgerecht zu versorgen, wie es unter Budgetbedingungen nicht möglich ist.

Davon geht Dr. Heinrich Miks aus, zweiter Vorsitzender des Landesverbands Praxisnetze Nordrhein-Westfalen (LPNRW). "Die ASV ist eine Versorgungsform der Zukunft, weil sie die Versorgung der chronisch kranken kostenintensiven Patienten verbessert", sagte Miks beim Jahreskongress des LPNRW in Herne.

Leider hapere es mit der Umsetzung. "Die ASV ist ein ungeliebtes Kind, die Selbstverwaltung schmollt." Die KVen seien nicht begeistert, weil es hier ambulante Versorgung ohne Sicherstellung durch die KV gebe. Die Krankenhäuser seien nicht interessiert, weil sie an stationären Fällen mehr verdienen, glaubt Miks. Und die Krankenkassen wollten das Morbiditätsrisiko nicht übernehmen.

"Gebt den Widerstand auf!"

Die Politik werde aber an der ASV festhalten. "Also gebt den Widerstand auf", forderte er. Miks hat mit dem Netz in Hamm ein ASV-Team im ambulanten Sektor gegründet. Das sei ein schwieriger Prozess gewesen, berichtete er. Bei der Antragstellung seien die Ärzte immer wieder über Formalitäten gestolpert. "Das waren Banalitäten, die in der ärztlichen Praxis überhaupt keine Rolle spielen."

Von den 27 ASV-Teams, die bislang bundesweit anerkannt wurden, kommen neun aus Westfalen-Lippe, sagte der Geschäftsführer der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Thomas Müller. Davon versorgen sechs Patienten mit gastrointestinalen Tumoren und drei Tuberkulose-Patienten. "Wir haben in den Kernteams eine gute Mischung aus Niedergelassenen und Krankenhäusern gefunden."

Müller sieht mehrere Gründe, warum die ASV nach wie vor nur schwer in Gang kommt. Dazu zählt er die aufwendige Antragstellung und das Fehlen einer Koordinations- oder Teampauschale. Er beklagte auch die mangelnde Unterstützung seitens der Hersteller von Praxis- und Kliniksoftware bei der notwendigen IT-Vernetzung. Zudem werde das Konzept durch unnötige Regularien belastet.

Der KVWL-Geschäftsführer begrüßte, dass die vorgeschriebene gemeinsame wöchentliche Sprechstunde am Ort der Teamleitung beim Update der ASV-Richtlinie gestrichen werden soll. Stattdessen werde die Sprechstunde künftig stattfinden, wenn sie aus ärztlicher Sicht notwendig ist.

Neue Versorgungsformen

Müller forderte die Netze auf, sich mit dieser neuen Versorgungsform auseinanderzusetzen. Die KVWL werde sie bei der Teambildung unterstützen, kündigte er an. Voraussetzung für den Erfolg der neuen Versorgungsform sei, dass die Schwachstellen beseitigt werden. "Dann können wir es gemeinsam hinbekommen, die positiven Aspekte für die Versorgung Schwerkranker zum Erfolg zu bringen", so der KV-Geschäftsführer

Es sei sinnvoll, dass viele Leistungen vom Krankenhaus in den ambulanten Bereich verlagert werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest Martin Litsch. Er sieht es aber kritisch, dass neben dem ambulanten und dem stationären Sektor mit der ASV jetzt noch eine dritte Säule implementiert wird. Das mache die Gestaltung der Versorgung nicht gerade einfacher.

"Es ist nicht unbedingt mein Ziel, die ASV zu hegen und zu pflegen", räumte Litsch ein. Er fände es besser, wenn es auch ohne sie gelingt, die Patientenversorgung besser zu strukturieren, gerade mit Hilfe der Netze. "Zwingende Voraussetzung ist eine technische Infrastruktur", so Litsch.

"Wir sollten die normale Versorgung verbessern und die ASV bestenfalls als Übergangsstufe begreifen", betonte der AOK-Chef. Vorbild könne die Palliativversorgung in Westfalen-Lippe sein. Dort habe man bewusst darauf verzichtet, streng zwischen der allgemeinen und der spezialisierten Palliativversorgung zu trennen.

"Wir wollen nicht, dass ein Palliativpatient heute allgemein und morgen spezialisiert versorgt wird." Es sei gelungen, beide Bereiche zusammenzuführen und den Fokus auf die Versorgung zu legen. "So stelle ich mir das auch zwischen den Sektoren vor", sagte Litsch.

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