Ärzte Zeitung, 20.02.2013

Berlin

Plötzlich doch nicht mehr unterversorgt

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Die KV bescheinigt der Hauptstadt ein gutes Versorgungsniveau - vor einem Jahr war das noch anders. Auch steht das Ergebnis im krassen Gegensatz zur Analyse von Gesundheitssenator Czaja.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Die Bundeshauptstadt hat keinen Bedarf an neuen Ärzten. Das ist das Ergebnis des neuen Bedarfsplans der KV Berlin. Er setzt die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses vom Dezember um.

Die neuen Verhältniszahlen und der Altersfaktor führen dazu, dass für Berlin ein höherer Versorgungsgrad als bisher ausgewiesen wird.

Demnach gibt es in allen Bezirken mehr als genug Hausärzte. In Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte sind es sogar rund doppelt so viele, wie mindestens nötig wären, um die Versorgung zu sichern.

Gesundheitssenator ist anderer Meinung

Die KV spricht inzwischen nicht mehr von drohender Unterversorgung, wie sie es noch vor einem Jahr getan hat.

Im Gegenteil: "Wir haben in Berlin ein sehr gutes Versorgungsniveau", sagt der für Bedarfsplanung zuständige KV-Vize Dr. Uwe Kraffel.

Dem Bedarfsplan der KV haben die Krankenkassen bereits zugestimmt. Er liegt jetzt zur Prüfung bei der Aufsicht in der Senatsgesundheitsverwaltung. Dort wird die Versorgungssituation aber ganz anders eingeschätzt.

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und die Patientenbeauftragte Karin Stötzner präsentierten am Freitag eine Studie, wonach in sechs Bezirken Unterversorgung besteht. Diesem Missstand wollen sie mit einer Aufteilung der Zulassungsbezirke beikommen.

KV trifft sich mit Senatsgesundheitsverwaltung

Das lehnen KV und Kassen ab. "Nur wenn wir Berlin als einen Versorgungsbezirk behalten, haben wir die Möglichkeit, Praxen umzusteuern", sagte Kraffel. Für Mittwoch ist ein Gespräch zwischen KV und Senatsgesundheitsverwaltung anberaumt.

KV und Kassen räumen zwar ein, dass die Ärzte in Berlin ungleich verteilt sind, setzen aber auf andere Steuerungsinstrumente als die Aufsichtsbehörde es will.

Der Zulassungsausschuss lässt seit Anfang 2012 keine Umzüge zu, "wenn dem Versorgungsgründe entgegenstehen", so Kraffel.

Auch Neuzulassungen genehmigt er vorzugsweise in den dünner versorgten Bezirken.

[20.02.2013, 15:20:41]
Roswitha Goetze-Pelka 
Wartezeiten oft 6 Monate! in Berlin keine Seltenheit
Ich habe beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Berlin gearbeitet.Fuer viele Menschen, die dringend einer Behandlung bedurften, waren keine Termine zu erhalten.

Die Kriterien der KV, die Anzahl der notwendigen Arztsitze zu ermitteln, geht nicht auf strukturelle und soziale Unterschiede in verschiedenen Regionen ein, welche sehr wesentlich den Bedarf medizinischer Behandlungen bestimmen.
Zudem fallen gerade in Problembezirken viele Menschen aus dem deutschen Versicherungssystem heraus. Ich war sehr erschrocken, zu beobachten, dass mitten in Deutschland, dem "sexy-Berlin", so viele Menschen von einer medizinischen Mindestversorgung ausgeschlossen sind.

Die Politik ist dringend gefordert, diese "Sachlichkeiten" wahrzunehmen und zu reagieren!
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