Ärzte Zeitung, 15.03.2013

Bedarfsplanung

Sonderstatus fürs Ruhrgebiet bleibt

Bei der Bedarfsplanung für Hausärzte ticken die Uhren im Ruhrgebiet weiterhin anders. Anderenfalls wäre ein Sog zu Lasten ländlicher Regionen entstanden.

Von Ilse Schlingensiepen

Sonderstatus fürs Ruhrgebiet bleibt

Das Ruhrgebiet - irgendwie eine einzig große Stadt. Das zeigt sich auch bei der Umweltzone.

© Roland Weihrauch / dpa

KÖLN. Die Kassenärztlichen Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen begrüßen die Fortschreibung der Sonderregion Ruhrgebiet in der ambulanten Bedarfsplanung.

Der Grund: Wenn die neue Bedarfsplanungsrichtlinie auch für das Revier gelten würde, würden in den dortigen Städten auf einen Schlag viele neue Hausarztsitze frei.

Das hätte die Chancen verschlechtert, Ärzte für die Versorgung in ländlichen Regionen zu gewinnen.

"Es wäre ein unglaublicher Sog Richtung Ruhrgebiet entstanden, die anderen Sitze könnten nicht mehr besetzt werden", sagte der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein Dr. Peter Potthoff.

Wie eine einzige große Stadt

Nach der Bedarfsplanungsrichtlinie gelten für die nächsten fünf Jahre weiterhin abweichende Planzahlen für das Ruhrgebiet. Bis zum Ende 2017 soll die Versorgungssituation überprüft werden.

 Je nach Ergebnis wird die Richtlinie angepasst, oder die Sonderregelungen werden aufgehoben. Der seit den 90er Jahren geltende besondere Status rührt aus der speziellen Struktur der Region. Sie ist wie eine einzige große Stadt, ohne ländlichen Raum.

Bundesweit beträgt die Messzahl für Hausärzte seit dem 1. Januar dieses Jahres 1671 Einwohner pro Hausarzt. Im Ruhrgebiet bleibt es dagegen bei der höheren Zahl von 2134 Einwohnern pro Hausarzt.

"Ohne die unmittelbare Regelung in der Richtlinie hätten wir in unserem Teil des Ruhrgebiets allein 378 neue Hausarztsitze ausweisen müssen", sagte der 2. Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Dr. Gerhard Nordmann.

Wegen des Sonderstatus‘ werden es nur 30 neue Hausarztsitze. "Und zwar genau da, wo sie auch notwendig sind: In den kleineren Städten und Gemeinden, die tatsächlich eine zu dünne Versorgung haben", sagte Nordmann.

Im rheinischen Teil des Ruhrgebietes entstehen gerade einmal neun neue Hausarztsitze, und zwar alle im Kreis Wesel.

Psychotherapeuten sehen Sonderrolle skeptisch

In der allgemeinen fachärztlichen Versorgung tut sich im Ruhrgebiet kaum etwas, ebenso wenig in der neuen Versorgungsebene der fachärztlichen Spezialversorgung.

"Die strukturelle Bombe, die in der alten Sonderregion Ruhrgebiet tickte, ist mit der Übergangslösung erst einmal entschärft", sagte Nordmann. Jetzt gebe es genug Zeit, um für die Zeit danach zu planen.

Sehr kritisch sehen dagegen die Psychotherapeuten die Fortschreibung der Sonderregion Ruhrgebiet. Sie beklagen, dass Patienten dort überdurchschnittlich lange auf einen Therapieplatz warten müssen.

"Das Beibehalten der Sonderregion Ruhrgebiet in der psychotherapeutischen Versorgung ist ein eklatantes Versagen der jetzigen Bedarfsplanungsreform", kritisierte die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW Monika Konitzer.

Eine sachliche Begründung gebe es dafür nicht. "Die Menschen im Ruhrgebiet werden nicht seltener psychisch krank als in anderen Großstädten", betonte sie.

Konitzer hat kein Verständnis dafür, dass im Ruhrgebiet jetzt 300 psychotherapeutische Praxen als über dem Bedarf liegend gelten.

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