Ärzte Zeitung App, 27.12.2013

KV Hamburg

Wer soll Praxisstilllegungen bezahlen?

Wer soll Praxisstilllegungen bezahlen?

Der Aufkauf von zwei Hausarztpraxen durch die KV Hamburg sorgt für Unruhe. Streit zeichnet sich ab, welche Fachgruppe finanziell dafür einstehen muss.

HAMBURG. Die KV Hamburg sucht nach einer Lösung, wie sie Praxisstilllegungen bezahlen kann. Die Zeit drängt: Zwei hausärztliche Sitze müssen laut Beschluss des Zulassungsausschusses aufgekauft werden.

Diese Entscheidung sorgte in der Vertreterversammlung für Irritationen. Frauenarzt Dr. Wolfgang Cremer forderte, statt über den Modus des Aufkaufs besser über eine Strategie zur Praxisstärkung zu diskutieren. Dermatologe Dr. Michael Reusch dagegen warnte in diesem Zusammenhang vor einer "Angst getriebenen Diskussion".

Feststeht: An der Regelung führt kein Weg vorbei, die KV muss den Beschluss des Ausschusses umsetzen. KV-Vorstand Walter Plassmann stellte aber noch einmal klar, dass grundsätzlich keine Versorgerpraxen stillgelegt werden und der Zulassungsausschuss nicht gegen die Stimmen der Ärzte entscheidet.

Es ist also nicht zu erwarten, dass die KV in großem Umfang Praxen aufkauft und damit die Versorgungssituation verschärft.

Psychotherapeuten wehrten sich

Der Vorstand schlug vor, das Geld für die Praxisstilllegungen aus den jeweiligen Fachgruppentöpfen zu nehmen. Damit wäre ein geschlossener Kreislauf geschaffen, da das Geld für die in der stillgelegten Praxis nicht mehr erbrachten Leistungen in der Fachgruppe bleibt.

Bei dieser Regelung befürchten aber kleine Fachgruppen Nachteile. Die verbleibenden Ärzte könnten die zusätzlichen Leistungen aus Kapazitätsgründen nicht erbringen, damit kein zusätzliches Honorar erzielen und müssten dennoch die Stilllegung finanzieren, so das Argument.

Besonders die Psychotherapeuten wehrten sich vehement gegen den Vorstandsvorschlag. Ob es mittelfristig zur Stilllegung einer psychotherapeutischen Praxis in Hamburg kommen wird, ist zwar unwahrscheinlich.

Hanna Guskowski, Vorsitzende des Psychotherapeutenausschusses, vermutet aber, dass der Druck von Politik und Kassen wachsen könnte.

Ihre Gruppe plädierte dafür, das Geld für die Stilllegung aus dem Verwaltungshaushalt zu nehmen und die Kosten auf alle Fachgruppen zu verteilen.

Auf einen Modus für die Finanzierung konnten sich die Vertreter nicht einigen. Sie verwiesen das Thema in die beratenden Fachausschüsse. (di)

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