Ärzte Zeitung, 05.06.2014

Thüringen

Auslaufmodell Einzelpraxis

Die Einzelpraxis ist zwar nicht tot, aber kränklich. Immer mehr Thüringer Ärzte ziehen eine Anstellung im MVZ einer eigenen Praxis vor. Und immer mehr Ärzte sind nur in Teilzeit beschäftigt.

Von Robert Büssow

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Früher Poliklinik, heute MVZ: Viele Ärzte in Thüringen wollen keine Einzelpraxis gründen.

© Jens Wolf / dpa

WEIMAR. Die ambulante Ärztewelt in Thüringen befindet sich im Umbruch. Zum zweiten Mal seit 2008 hat die KV Thüringen (KVT) in Weimar einen Versorgungsbericht vorgelegt, der den Wandel umfassend dokumentiert.

Der Trend ist eindeutig: Die Zahl der angestellten Mediziner hat sich auf 676 mehr als verdoppelt, vor allem wegen der aus dem Boden schießenden Medizinischen Versorgungszentren. Im Freistaat gibt es inzwischen knapp 100 MVZ - doppelt so viele wie vor sechs Jahren.

Nicht nur Berufsanfänger suchen eine Festanstellung, sondern zunehmend auch ältere Semester, sagt die KV-Vorsitzende Annette Rommel. "Die Einzelpraxis ist nicht tot, aber der Trend geht dahin, sich zusammenzuschließen." Die Zahl der Einzelpraxen freiberuflicher Mediziner sank von 2563 auf 2341 (-8,7 Prozent).

Auch die von mehreren selbstständigen Ärzten betriebenen Gemeinschaftspraxen haben leicht an Attraktivität verloren, ihre Zahl ist mit 312 (minus acht Prozent) aber immer noch stattlich.

Ein Drittel ist 20 Wochenstunden tätig

Die Gründe für den Wunsch nach einer festen Anstellung sind vielfältig wie das Leben selbst: Geregeltere Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit mit dem Familienleben, Teilzeit, weniger Verwaltungsarbeit.

Der Trend wird bei der KV jedoch mit gewisser Sorge beobachtet. Von den 676 angestellten Ärzten sind nur 66 Prozent mit über 30 Wochenstunden vollbeschäftigt, 30 Prozent arbeiten 20 Stunden und weniger. Freiberufler sind im Schnitt deutlich länger in der Praxis.

Andererseits, so mancher Arzt würde sich vielleicht ganz aus der ambulanten Versorgung zurückziehen, wenn es diese flexiblen Möglichkeiten nicht gäbe. Eine weitere Konsequenz des MVZ-Booms: Die Zahl der lange skeptisch beäugten ermächtigten Ärzte an Krankenhäusern ist rückläufig. Ihre Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren auf 320 (-15 Prozent) gesunken.

Den viel zitierten Ärztemangel geben die aggregierten Zahlen nach derzeitigem Stand nicht her. Die hausärztliche Versorgung ist mit 1649 Ärzten (-2,2 Prozent) weiter gesichert. Die Zahl der Fachärzte ist sogar um 198 auf 1844 deutlich gestiegen. Damit gibt es erstmals mehr Fach- als Hausärzte in Thüringen.

Engpässe bestehen jedoch lokal und führen dazu, dass Patienten gerade in ländlichen Regionen immer weitere Wege zurücklegen müssen, so Rommel. Laut Bedarfsplanung sind 60 Zulassungen für Allgemeinmediziner frei - das waren zwar schon einmal mehr, aber die Prognose der KV ist wenig erfreulich. Die Hausärzte sind im Schnitt 54 Jahre alt, Fachärzte nur zwei Jahre jünger.

Neue KV-Devise: Mehr Zuversicht

Das wichtigste Instrument der KV heißt Nachwuchswerbung: Über 100 Thüringen-Stipendien wurden bereits vergeben, verbunden mit einer vierjährigen Niederlassungspflicht im Freistaat. Auch Famulaturen und hausärztliche PJ-Tertiale werden gefördert.

In Summe mit bisher 1,2 Millionen Euro. Ein Klacks im Vergleich zu anderen Ländern, die zum Teil deutlich mehr in die Hand nehmen. Doch die KV Thüringen dreht an verschiedenen Stellschrauben - auch mit dem Wissen, dass Geld nicht alles ist.

Vor allem auf die Eigeneinrichtung ist man stolz, wo Ärzte übergangsweise angestellt werden, bis die Praxis läuft.

Der Versorgungsbericht 2014 malt nicht mehr so schwarz wie noch vor sechs Jahren, auch dank der Stiftung zur Förderung der ambulanten Versorgung. Jahrelang hat sich die Ärzteschaft ihr Leben auch schlechter geredet, als es ist. Damit machte KV-Chefin Rommel Schluss. Mehr Zuversicht lautet die neue Devise in der KV Thüringen.

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