Ärzte Zeitung App, 20.11.2014

Ambulante Versorgung

Hamburg will flexibel auf Engpässe reagieren

Nach einem Streit über die Interpretation der Versorgungslage in Hamburg hat die Landeskonferenz nun eine Einigung erzielt. Politik und Kassen sind zufrieden.

Von Dirk Schnack

Hamburg will flexibel auf Engpässe reagieren

Kinderärztin in der Praxis. In Hamburg soll bei der Bedarfsplanung für Haus- und Kinderärzte noch stärker die lokale Situation berücksichtig werden.

© Pleul / dpa

HAMBURG. In kaum einer anderen Region in Deutschland ist das ambulante Versorgungsnetz so dicht geknüpft wie in Hamburg. Sollte es dennoch zu punktuellen Engpässen kommen, kann jetzt flexibel reagiert werden.

Die Landeskonferenz Versorgung hat sich auf Maßnahmen verständigt, wie in Einzelfällen auf eine unzureichende Versorgungssituation reagiert werden soll. Auch auf Kriterien, mit denen solche lokalen Engpässe festgestellt werden, hat man sich geeinigt.

Dazu zählen etwa die lokale Betrachtung des Verhältnisses Einwohner je Arzt unter Berücksichtigung der Altersverteilung sowie durchschnittliche Arztfallzahlen. Bei einem festgestellten Engpass kann die KV Hamburg die betroffene Praxis finanziell fördern oder ihr durch organisatorische Erleichterungen entgegenkommen.

Unzureichende Versorgung?

Wenn die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, kann der Zulassungsausschuss auch eine Sonderbedarfszulassung oder Filialbildung mit räumlicher Sitzbindung aussprechen.

Wenn der festgestellte Engpass auf Ursachen außerhalb des Systems zurückzuführen ist - etwa auf eine schlechte Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel - sollen politische Lösungen gefunden werden.

Mit dieser Einigung reagiert die Landeskonferenz auf unterschiedliche Interpretationen der ambulanten Versorgungslage in Hamburg. Wie berichtet hatte die KV ein Gutachten vorgelegt, das der Hansestadt eine hervorragende ambulante Versorgungssituation bescheinigte.

In den Medien und von Teilen der Politik war aber die Verteilung der Praxen kritisiert worden. Angeblich resultiert daraus in manchen Stadtteilen eine unzureichende Versorgung.

"Die haus- und kinderärztliche Versorgung soll insbesondere in den Stadtteilen erbracht werden, in denen die Menschen den größten Bedarf haben", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

Sie sieht in dem jetzt vorgelegten Maßnahmenkatalog ein Instrument, "mit dem gezielt auf lokale Versorgungsengpässe reagiert werden kann."

Auch die Krankenkassen und die KV zeigten sich damit zufrieden. "Die Kriterien werden es uns erleichtern, dort nachzusteuern, wo wir punktuellen Handlungsbedarf feststellen.

Starres Planen nach Verwaltungsgrenzen wird so vermieden", sagte der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »