Ärzte Zeitung, 18.02.2015

Saarland

Notdienst-Reform steht fast

Die Zahl der Dienste soll verringert werden, dafür vergrößern sich die Einzugsgebiete: Im Saarland deutet vieles darauf hin, dass die umfassende Reform des Notdienstes schon ab Juli Realität werden könnte.

Von Andreas Kindel

SAARBRÜCKEN. Nach langem Ringen zeichnet sich im Saarland ein Abschluss der großen Notdienstreform ab.

Wenn jetzt noch die Vertreterversammlungen von KV und Ärztekammer den Plänen endgültig zustimmen, könnten die neuen Regeln zum 1. Juli in Kraft treten.

Die Ergebnisse der Reform: Die Ärzte müssen eine höhere Umlage zahlen, haben größere Einzugsgebiete, aber dafür deutlich weniger Dienste.

Zwei bis drei Dienste proJahr

"Unser wichtigstes Ziel war es, die Zahl der Dienste zu verringern, ohne dass die Versorgung der Patienten leidet", sagte der saarländische KV-Vorsitzende Dr. Gunter Hauptmann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Seine Prognose: Im Schnitt machen die Vertragsärzte an der Saar künftig pro Jahr nur noch zwei bis drei Notdienste in der Woche und zwei an Wochenenden.

Beim Notdienst müssen nach den Plänen alle Vertragsärzte, ärztlichen Psychotherapeuten und Privatärzte mitmachen. Im Saarland bleiben demnach aber die ermächtigten Ärzte und die psychologischen Psychotherapeuten von der Regelung befreit.

Kinder-, HNO- und Augenärzte betreiben weiter eigene Notdienste. Die Augenärzte konnten sich nach Angaben von KV-Chef Hauptmann mit ihrem Wunsch durchsetzen, den Notdienst nur noch bis 22 Uhr zu machen und die Patienten danach in die Klinik zu schicken.

Obmann gibt grünes Licht

Bei der jüngsten KV-Vertreterversammlung in Saarbrücken wurde nun noch im Detail darüber beraten, wer sich vom Notdienst befreien lassen kann. KV-Chef Hauptmann versicherte, dass ein Antrag auf Befreiung weiter mit 65 möglich sei.

"Wenn der Obmann sein Okay gibt, dann genehmigen wir das", sagte er. Schon jetzt gibt es zahlreiche Befreiungen und angesichts der Altersentwicklung in der Ärzteschaft ist die Tendenz steigend.

Daher gelten die Befreiungen nur bis auf Widerruf. Für den Notfall lässt sich die KV also noch ein Hintertürchen offen.

Die Zahl der Notdienstringe wird mit der Reform von einst 52 auf 13 verringert. Damit hat die KV schon jetzt begonnen. Die Folge: Die Einzugsgebiete werden größer.

Trotzdem soll jeder Arzt im Notdienst in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde bis zum Patienten brauchen.

Zu Hause schlafen erlaubt?

Der Dienst wird an Wochenenden bereits jetzt in einer der 13 Bereitschaftsdienstpraxen im Saarland gemacht. In der Woche geht das von zuhause oder von der eigenen Praxis aus.

Aber darf man im Notdienst auch außerhalb des Bezirks schlafen? "Eine gewisse Unkommodheit muss man in Kauf nehmen", forderte KV-Vize Dr. Joachim Meiser bei der jüngsten Vertreterversammlung.

Schließlich habe man nur noch wenige Dienste pro Jahr zu absolvieren.

Doch die Vertreterversammlung wünschte eher eine "weiche" Residenzpflicht: Der Arzt dürfe zur Versorgung seiner Patienten den Einzugsbereich des Notdienstrings zwar nicht verlassen - zum Essen und Schlafen aber schon, wenn er dafür sorgt, dass er trotzdem rechtzeitig im Einsatz sein kann.

500 Euro pro Quartal als Umlage

Die Notdienst-Umlage soll für jeden Arzt mehr als verdoppelt werden - auf 500 Euro pro Quartal. Dafür wird der Notdienst auch an Wochentagen künftig extra bezahlt.

Es gibt 300 Euro, bei den längeren Diensten mittwochs und freitags 400 Euro plus das Honorar für die im Dienst erbrachten Leistungen. An Wochenenden gibt es schon jetzt ein Mindesthonorar von 600 bis 800 Euro.

Wer einen Notdienst loswerden will, kann dafür den Vermittlungsservice der KV nutzen. Die KV besorgt nach eigenen Angaben sogar feste Vertreter für alle Dienste.

Angesichts der Honorierung sei der Vertreterpool gut gefüllt. Manch ein Mediziner mache sogar nur noch Vertretungsdienste, hieß es.

Elektronische Tauschbörse geplant

Künftig will die KV für die Dienste auch eine elektronische Tauschbörse anbieten. "Das Online-Dienstplanungssystem BD-Online ist bei uns im Moment schon in der Testphase", berichtete KV-Chef Hauptmann.

Geplant sei, dass das neue Angebot noch dieses Jahr kommt. Das hätte gravierende Änderungen zur Folge. Dann sollten auf elektronischem Weg nicht nur Dienste getauscht, sondern auch Dienstpläne gemacht werden können.

Eine Änderung ist der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung an der Saar besonders wichtig: Der Notdienst soll in Zukunft "Bereitschaftsdienst" heißen.

"Wir wollen den Patienten damit klarmachen, dass da kein Notarzt kommt", erläuterte Hauptmann. Man biete im Notdienst im übrigen ja auch keine Komplett-Versorgung, sondern eher eine Überbrückung bis zum nächsten regulären Sprechstunden-Tag.

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