Ärzte Zeitung, 16.03.2015

Bayern

Ärztemangel auch im Herrgottswinkel

Selbst in den malerischsten Regionen Bayern könnten in einigen Jahren die Ärzte knapp werden. Eine modifizierte Bedarfsplanung und mehr Kooperation sollen dagegen helfen.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. In vielen ländlichen Regionen Bayerns droht in den nächsten Jahren eine Ausdünnung der ärztlichen Versorgung.

Darauf hat der ehemalige Vorsitzende der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern, Hermann Steinmaßl, bis 2014 Landrat des Landkreises Traunstein, bei einer Fachtagung der KV Bayerns (KVB) hingewiesen.

In vielen Mittelbereichen, die nach der aktuellen Bedarfsplanung derzeit noch als gut versorgt gelten, werden schon in wenigen Jahren kaum noch Hausärzte für die Versorgung zur Verfügung stehen, prognostizierte Steinmaßl anhand aktueller Zahlen für die Landkreise Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und das Berchtesgadener Land.

Derzeit gebe es dort zwar noch keinen Ärztemangel, in etwa zehn Jahren könnte es aber schon ganz anders aussehen, meinte Steinmaßl.

Um auch in Zukunft eine möglichst flächendeckende Versorgung in den fünf Landkreisen gewährleisten zu können, sollten in der Bedarfsplanung für Hausärzte und grundversorgende Fachärzte kleinere Versorgungsgebiete definiert werden, forderte Steinmaßl.

Dabei sollten Kriterien wie Bevölkerungsdichte, Siedlungsstruktur, lokale Besonderheiten sowie die Topografie eine wichtige Rolle spielen.

Um einer drohenden ärztlichen Unterversorgung zu begegnen, hatte das bayerische Gesundheitsministerium von Mitte 2013 bis Ende 2014 in drei Modellregionen Regionale Gesundheitskonferenzen als Pilotprojekte erprobt, eine davon in Südostoberbayern.

Als Mitglieder einer Gesundheitskonferenz sollten regionale Akteure des Gesundheitswesens als Kenner der Situation vor Ort für die spezifischen Probleme in der Region Handlungsempfehlungen erarbeiten.

So forderte die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern unter anderem eine bessere Vernetzung der ambulanten und stationären Versorgung und eine Anbindung von Versorgungszentren an Krankenhäuser.

Die Kommunen wurden aufgefordert, Marketingmaßnahmen für die Anwerbung von Ärztinnen und Ärzten in und außerhalb Bayerns zu entwickeln.

Vorgeschlagen wurden außerdem, dass Städte und Gemeinden die Möglichkeit haben sollten, Arztsitze aufzukaufen, um über Zweckverbände oder Genossenschaften die Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können.

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