Ärzte Zeitung, 15.05.2008

KOMMENTAR

Voll ins Schwarze getroffen

Von Bülent Erdogan

Mit seinem Vorstoß, die "verdeckte Rationierung" von Gesundheitsleistungen in der gesetzlichen Krankenversorgung endlich aus den Arztpraxen in den Bundestag zu verlagern, hat der Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe, kurz vor Beginn des 111. Deutschen Ärztetags voll ins Schwarze getroffen: Gestern stimmte auch die Allianz Deutscher Ärzteverbände in die Forderung nach einer gesellschaftlichen Debatte über den künftigen Leistungskatalog ein - sie hofft, dass daraus, beginnend auf dem Ärztetag, gar ein Thema im Bundestagswahlkampf 2009 wird.

Die Forderung nach mehr Transparenz in der GKV ist richtig: Es kann nicht sein, dass Ärzte aus Angst vor Regressen rationieren, der Patient davon indes nichts mitbekommt. Die Debatte um den künftigen Leistungsumfang der GKV muss in die Mitte der Gesellschaft. Wem dabei möglichst niedrige Lohnnebenkosten wichtiger sind als eine umfangreiche Versorgung oder angemessene Einkommen von Ärzten, medizinischen Fachangestellten und Pflegenden, sollte das auch in Wahlkämpfen vertreten.

Doch ohne Blessuren dürfte auch die Ärzteschaft nicht aus einer solchen Debatte hervorgehen. Denn die Politiker werden versuchen, den Schwarzen Peter zurückzuschieben und von Fehl- und Überversorgung sowie Ineffizienzen zwischen dem ambulanten und stationären Sektor sprechen, die das System zum Fass ohne Boden machten. Hierauf sollten die Ärzte vorbereitet sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »