Ärzte Zeitung, 23.05.2008

KOMMENTAR

Keine Botschaft für den Bierdeckel

Von Florian Staeck

Wer wissen will, was Ärzte in Deutschland von Gesundheitspolitikern fordern, dem wird es nicht einfach gemacht: Nach stundenlangen Debatten hat sich der Ärztetag in Ulm auf ein Grundsatzprogramm geeinigt. Mit dem "Ulmer Papier" haben sich die Delegierten auf einen gesundheitspolitischen Kompass verständigt - doch das wäre fast schief gegangen. In Ulm hat sich gezeigt: Für ein medienkompatibles Grundsatzprogramm, dessen Kernsätze auf den viel zitierten Bierdeckel passen, ist die Ärzteschaft zu heterogen.

Gefordert wird in dem vielschichtigen, mehr als 35-seitigen Papier eine komplette Neuordnung des Gesundheitswesens. Es betont dabei die Unverzichtbarkeit einer autonomen, vom Staat unbehelligten Arzt-Patienten-Beziehung. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten der deutschen Ärzteschaft auch schon fast erschöpft: Teils wird in dem Papier ein marktwirtschaftlich orientiertes Gesundheitswesen postuliert, dann wieder wird mehr Mitsprache in vorparlamentarischen Gremien wie einem Gesundheitsrat gefordert.

Die Ambivalenz des "Ulmer Papiers" spiegelte sich auch in der Ärztetags-Debatte: Manche Delegierte sahen in den Leitsätzen nur ein vorläufiges Arbeitspapier, das der innerärztlichen Selbstfindung dienen sollte. Doch die Mehrheit des Ärztetags hat - zu Recht - mit Blick auf den Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr erkannt: Ärzte können nur erfolgreich sein, wenn sie gesundheitspolitisch eine klare Kante bieten.

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