Ärzte Zeitung, 26.05.2008

KOMMENTAR

Es geht um ehrliche Antworten

Von Christoph Fuhr

Schluss mit der Heuchelei! Im deutschen Gesundheitswesen wird rationiert. Nicht offen und ehrlich, sondern verdeckt und klammheimlich. Die Delegierten des am Freitag zu Ende gegangenen 111. Deutschen Ärztetags in Ulm haben in der vergangenen Woche viele Botschaften ins Land gesendet, aber keine dieser Botschaften hat offenbar einen größeren öffentlichen Wirbel verursacht als die von der Rationierung.

Das Medienecho war überwältigend, das Thema ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Da passte es gut, dass die Versorgung von Demenzpatienten ein zusätzlicher Themenschwerpunkt des Ärztetags war. Einen idealeren Versorgungsbereich, um Rationierungsargumente der Ärzte auf Glaubwürdigkeit abzuklopfen, kann es kaum geben. Pflegende Angehörige können von Defiziten ein Lied singen. Rationierung ist für diese Menschen kein leeres Geschwätz, sondern Realität.

Die Chance, dass das Thema in der Bevölkerung präsent bleibt, ist groß. Der Ärztetags-Zug mit der Rationierungs-Botschaft hat von Ulm aus Fahrt aufgenommen. Schnurstracks in Richtung Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr. Das kann noch spannend werden.

Fakt ist - und das gilt keinesfalls nur für den Bereich Demenz - dass viele Patienten längst nicht die Versorgung bekommen, die sie eigentlich benötigen. Deshalb Schluss mit der Heuchelei! Ärzte und Patienten erwarten von Politikern endlich ehrliche Antworten.

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