Ärzte Zeitung, 09.06.2008

Senat genehmigt Charité ambulante Behandlung

Option für ALS-Patienten / KV kritisiert Kliniköffnung

BERLIN (ami). Die erste Kliniköffnung für ambulante Behandlungen in Berlin ist nun genehmigt. Künftig darf die Charité Universitätsklinik Patienten, die an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leiden, ambulant versorgen.

 Senat genehmigt Charité ambulante Behandlung

Die Charité darf Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose künftig ambulant behandeln.

Foto: dpa

"Die neue Regelung hilft den Kranken sehr. Ab sofort können wir sie umfassend ambulant betreuen", so Professor Thomas Meyer, Leiter der ALS-Ambulanz an der Charité. Die Ambulanz finanzierte sich nach Charité-Angaben bisher überwiegend aus Spenden und Drittmitteln.

Sie habe seit ihrer Gründung 2002 ein Netz aufgebaut, in dem engagierte Fachleute die soziale Betreuung der Patienten, ihre Versorgung mit spezieller Ernährungstherapie und Hilfsmitteln übernähmen. Außer der Charité haben erst wenige Kliniken in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie jeweils eine Klinik in Bremen und dem Saarland eine Genehmigung für die ambulante Versorgung nach Paragraf 116 b SGB V erhalten.

Die Charité strebt auch für Patienten mit anderen schwerwiegenden Krankheitsbildern eine Zulassung zur ambulanten Versorgung an. Bei der Senatsgesundheitsverwaltung liegen dazu insgesamt 162 Anträge von Berliner Krankenhäusern vor. Demnächst werden weitere Zulassungen von Kliniken zur ambulanten Behandlung von Patienten mit pulmonaler Hypertonie, Mukoviszidose, Marfansyndrom und sklerosierender Gallenwegserkrankung erwartet.

Zu ihren Entscheidungen holt die Senatsverwaltung Stellungnahmen von Kassen, Krankenhausgesellschaft und der KV Berlin ein. Die Zusammenarbeit mit den Akteuren gestaltet sich aus ihrer Sicht sehr gut. Das sieht die KV Berlin anders. "Wir werden gehört, aber nicht berücksichtigt", so KV-Vize Dr. Uwe Kraffel zur "Ärzte Zeitung".

Die KV habe sich gegen die Genehmigung für die Charité ausgesprochen, weil ALS ungeeignet für die ambulante Behandlung nach Paragraf 116b sei: "Eine echte Behandlung existiert nicht, es wird geforscht. Die Hauptbehandlung ist palliativ-pflegend. Das kann eine Klinik nicht leisten."

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