Ärzte Zeitung, 10.06.2008

MB fordert zehn Prozent mehr Geld bei der Caritas

Ärztegewerkschaft will Verhandlungen mit katholischem Klinikträger aufnehmen / Kirche genießt Sonderrechte

BERLIN (ble). Nach der Tarif-Einigung bei den kommunalen Kliniken erhöht die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) jetzt den Druck auf die katholischen Klinikträger.

In einem Beschluss hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft die katholischen Krankenhausarbeitgeber zu Gehaltssteigerungen von zehn Prozent und zu Verhandlungen über einen arztspezifischen Tarifvertrag aufgefordert. "Überall in Deutschland gelten arztspezifische Tarifregelungen, nur die Kirchen blocken diese Entwicklung ab. Wenn das die Leistungsträger weiter so benachteiligt, dann schaden die kirchlichen Kliniken sich selbst und allen ihren Mitarbeitern", erklärte der Chef des MB, Rudolf Henke.

Hintergrund: Anders als öffentliche und private Klinikträger genießen die Kirchen grundgesetzlich geschützte, organisatorische Sonderrechte. Danach können sie und die ihnen angegliederten Einrichtungen, in diesem Fall die Caritas als Klinikträger, ihre Dienstverfassungen autonom regeln - etwa über besondere Arbeitsrechtliche Kommissionen. In diesen sind indes kaum Ärzte vertreten. Dieser so genannte "Dritte Weg" verhindert nach MB-Angaben traditionelle Arbeitskampfmaßnahmen.

Vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas warb Henke für die Aufnahme von Gesprächen. Der MB sei bereit, nicht nur über die Ärzteeinkommen, sondern auch über flexible Arbeitszeiten, die Anerkennung von Vorbeschäftigungszeiten außerhalb der konfessionellen Kliniken und familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu sprechen.

Henke mahnte, es sei ungerecht, Mitarbeiter schlechter zu behandeln, weil sie sich für einen Dienst in der Kirche statt bei einer Kommune oder einem privaten Träger entschieden hätten. Zudem gerieten die Kliniken im Vergleich zur Konkurrenz ohne Tarifanhebung ins Hintertreffen.

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