Ärzte Zeitung, 16.06.2008

"In zwölf Jahren fehlen 1000 Hausärzte"

KV-Chef Gramsch warnt in Niedersachsen vor einer absehbaren Versorgungskrise / Arztzahlprognose vorgestellt

HANNOVER (cben). Düstere Arztzahlprognose in Niedersachsen: In den kommenden Jahren werden im Nordwesten der Republik 4200 Ärzte in den Ruhestand gehen. Ausreichender Nachwuchs fehlt - vor allem bei Hausärzten. Es droht "eine veritable Versorgungskrise", sagt KVN-Chef Eberhard Gramsch.

 "In zwölf Jahren fehlen 1000 Hausärzte"

Was tun, wenn der Arzt fort ist, warnen Mediziner, hier bei einer Demonstration in Berlin.

Foto: imago

Bei Frauen-, Kinder- und Augenärzten werde es immer enger. Dramatisch aber könnte es bei der Versorgung mit Hausärzten werden. "480 Hausärzte könnten sich in Niedersachsen sofort niederlassen", sagte Gramsch bei der Vorstellung der "Arztzahlprognose 2020" der KV in Hannover.

Viele junge Mediziner wollten aber "nicht mehr um den Preis ihrer eigenen Gesundheit 60 oder mehr Stunden in der Woche arbeiten, um sich dann auch noch die Qualität ihrer Arbeit von der Politik mies machen zu lassen". Betroffen sind ländliche Gebiete wie das Emsland, ganz im Nordwesten Niedersachsens. Allein in dieser Region fehlen derzeit 35 Hausärzte, um einen Versorgungsgrad von 100 Prozent herzustellen, in Gifhorn fehlen 22.

"Uns bricht der Nachwuchs weg" warnte Gramsch. Jährlich würden nur 50 Ärzte die Weiterbildung zum Hausarzt in Niedersachsen absolvieren. Zwar versucht die KV, mit Extrazahlungen die Weiterbildungsassistenten an das Land zu binden, aber nur wenige - bisher waren es 17 - unterschreiben eine Vereinbarung mit der KV, so KV-Sprecher Detlef Haffke.

Auch andere Maßnahmen haben bisher offenbar nicht gegriffen. Plakataktionen, Praxisbörsen oder Gehaltszuschüsse haben die Nachwuchssituation nicht verbessert. Zu wenig Arbeit dürfte ein Hausarzt im Emsland gewiss nicht haben -  Patienten gib es mehr als genug. Das Angebot der KV, das Honorar bei Bedarf bis zum Landesschnitt zu bezuschussen, ist bisher verpufft. "Allerdings geben die Banken den Neueinsteigern eher Kredite, wenn sie von dem KV-Angebot wissen", sagte Haffke.

Wegen des Hausärztemangels sucht die KV den Schulterschluss mit Kommunen. "Wir wollen Treffen verabreden, bei denen über Strukturverbesserungen gesprochen werden soll", so Haffke, "wir denken etwa an Kindergarten-Platzgarantien für Arztkinder oder an extra Busverbindungen zum Nachbarort, wo noch ein Hausarzt tätig ist." Ohne solche Kraftakte drohe die Versorgungskrise. Gramsch: "Dann werden 2020 in Niedersachsen 1000 Hausärzte fehlen."

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