Ärzte Zeitung, 18.06.2008

Nordrheins Ärzte gegen Fünf-Stufen-Plan

Fachärzte sehen durch das geplante Versorgungsmodell der KBV ihre Existenz gefährdet / Köhler im Fokus der Kritik

KÖLN (iss). Nordrheinische Fachärzte machen gegen die Spitze der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mobil. Sie fordern, dass sich der Vorstand der KV Nordrhein (KVNo) gegen das fünfstufige Versorgungsmodell der KBV stark macht. Der Hauptausschuss der KVNo hat beschlossen, das Thema bei der Vertreterversammlung am 3. September zu debattieren.

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Nordrheins Ärzte werfen KBV-Chef Köhler vor, mit seiner Politik den Kassen in die Hand zu spielen.

Foto: eh

"Wir müssen dafür sorgen, dass dieses Papier wieder verschwindet", sagt der Mönchengladbacher Gastroenterologe Dr. Arno Theilmeier. Der Unmut in den fachärztlichen Verbänden in Nordrhein sei groß, berichtet er. Die Pläne der KBV, die spezialisierte fachärztliche Versorgung künftig "krankenhausnah" zu strukturieren, stellten die wirtschaftliche Basis vieler der betroffenen Niedergelassenen in Frage.

Im Mittelpunkt von Theilmeiers Kritik steht der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler. "Die Pläne, die Köhler verfolgt, spielen der Politik und den Krankenkassen in die Hand", sagt er. Schließlich wollten auch sie die Abschaffung der ambulanten fachärztlichen Versorgung.

Mit der Kooperationsvereinbarung mit den Rhön-Kliniken verfolge er die Interessen dieses Konzerns. "Es kann nicht sein, dass wir von den Leuten, die wir bezahlen, dermaßen vorgeführt werden", sagt Theilmeier. Seinen Angaben nach prüfen die Fachärzte, ob und wie sie eine Absetzung des KBV-Chefs erreichen können. "Wir lassen uns nicht mehr verköhlern und verrhönen", schimpft er.

"Bei den Kollegen herrscht ein tiefes Misstrauen gegenüber der Vorgehensweise des KBV-Vorstands", bestätigt Dr. Hans-Reinhard Pies, Internist aus Nettetal. Als Folge des Fünf-Stufen-Modells müssten viele Fachärzte sich entweder für die wohnortnahe oder die spezialisierte krankenhausnahe fachärztliche Versorgung entscheiden. Das sei weder wirtschaftlich noch aus Sicht der Patientenversorgung sinnvoll.

KBV weist den Vorwurf der Kampfansage zurück.

"Was uns besonders empört ist die Tatsache, dass ein solches Konzept in die Öffentlichkeit kommt, ohne dass es vorher mit den Berufsverbänden oder in den KVen diskutiert wurde", sagt Pies. Die Kooperationsvereinbarung mit Rhön verstärke die Furcht der niedergelassenen Fachärzte, dass ihnen die Konzerne den Platz streitig machen wollen.

Weder das Fünf-Stufen-Modell noch die Kooperationsvereinbarung seien eine Kampfansage an die Fachärzte, sagt dagegen KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl. Die Ärzteschaft komme nicht darum herum, sich Gedanken über ihre künftige Positionierung im und zum Wettbewerb zu machen. Das Versorgungsstufen-Modell sei explizit als Diskussionspapier gedacht. "Jetzt ist die innerärztliche Diskussion angestoßen", sagt Stahl. Das Papier sei bereits mehrfach überarbeitet worden. "Kritik und Anregungen fließen ein."

Die Kooperation mit Rhön folge dem Grundsatz, dass die Hoheit über die ambulante Versorgung bei den Niedergelassenen bleibe. "Es ist besser zu kooperieren, als dass die Klinikkonzerne in die ambulante Versorgung einbrechen." Die Diskussion über solche Fragen sei notwendig. "Wir müssen eigene Konzepte und Ideen entwickeln und für Orientierung sorgen", sagt der KBV-Sprecher.

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