Ärzte Zeitung, 19.06.2008

Ab Montag sollen Praxen in Berlin zu bleiben

Ärztebündnis ruft zu Protesten auf / Schließungen sollen Druck auf Umsetzung der Honorarreform erhöhen

BERLIN (ami). Ab Montag sollen viele Praxen in Berlin geschlossen bleiben. Das Bündnis Berliner Kassenärzte will damit ein Zeichen setzen, dass die Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung nun definitiv beendet werden muss.

Die Ärzte in der Hauptstadt sind aufgefordert, die Protestwoche für Fortbildungen bei der KV zu nutzen. Bereits eine Woche vor Beginn der Praxisschließungen begleitet Medi die Aktionen wieder mit Spots im U-Bahn-Fernsehen der Hauptstadt. Für Arztpraxen stehen auf der Internetseite von Medi Berlin Protestplakate zum Download zur Verfügung.

"Schon jetzt kann das hohe medizinische Versorgungsniveau in der Stadt nur aufrecht erhalten werden, weil die niedergelassenen Ärzte weit mehr als ein Drittel ihrer Leistungen ohne Vergütung erbringen", so der Sprecher des Ärztebündnisses und Medi-Berlin-Vorsitzende Dr. Wolfgang Mitlehner. Nach Angaben des Bündnisses fehlten allein im vergangenen Jahr in der Hauptstadt rund 300 Millionen Euro für die ambulante Versorgung.

Die Sprecher des Ärztebündnisses, dem neben Medi auch der Hausärzteverband und die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) angehören, erinnerten im Vorfeld der Praxisschließungen daran, dass mit der Honorarreform ab 2009 die Arzthonorare steigen sollen. Gleichzeitig verweisen sie auf die wachsende Skepsis der Ärzte gegenüber Ankündigungen von Politikern. "Insofern befürchten wir auch, dass die von der Regierung beschlossene Honorarreform wieder nur Veränderungen auf dem Papier, aber nicht mehr Geld für die ambulante Versorgung bringen wird", so Berlins GFB-Chef Albrecht Scheffler. Das wollen die Ärzte mit den Praxisschließungen verhindern.

Weitere Informationen: www.medi-berlin.de

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