Ärzte Zeitung online, 26.06.2008

Hausarztvertrag in Hamburg baut auf Pauschalen

HAMBURG (di). Ein neuer Hausarztvertrag in Hamburg stärkt die Lotsenfunktion der Hausärzte. Die Leistungen für eingeschriebene AOK-Versicherte werden in festen Euro-Beträgen bezahlt und ermöglichen eine intensivere Betreuung der Patienten als bislang.

"Der Arzt steuert die gesamte medizinische Behandlung und vereinfacht die Weiterbehandlung beim Facharzt, im Krankenhaus oder in der Rehabilitation", teilten die Vertragspartner KV, Hausärzteverband, AOK, Verband hausärztlicher Internisten und Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte mit.

Dies kann etwa durch das so genannte Überleitungsmanagement geschehen: Der Hausarzt sucht dafür seinen Patienten kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus auf und bespricht mit ihm und dem behandelnden Arzt die weitere Vorgehensweise nach der Entlassung. Hierfür ist ein Honorar von 81 Euro vereinbart.

Ein weiteres Modul betrifft die Betreuung von Patienten im häuslichen Umfeld, die einfache Behandlungspflege benötigen. Wenn der Arzt die Angehörigen hierfür anleitet, bekommt er 75 Euro, für jedes Folgequartal 35 Euro. Für jeden eingeschriebenen Patienten erhält der Hausarzt vier oder acht Euro (für DMP-Versicherte).

Die AOK-Versicherten werden dafür umfassend über die gesamten Behandlungsmaßnahmen aufgeklärt, müssen bei fest vereinbarten Terminen maximal 30 Minuten warten, werden an Vorsorge- und Impftermine erinnert, erreichen ihren Hausarzt bei schweren Erkrankungen auch außerhalb der Praxiskernzeiten und werden bei der Vereinbarung von Terminen beim Spezialisten unterstützt.

Zugleich wird in Hamburg die von den Kinderärzten kritisierte Vorsorgelücke im Grundschulalter geschlossen. Die Vereinbarung mit der AOK sieht vor, dass Kinderärzte für eine Untersuchung von Kindern im Alter von sieben bis acht Jahren und von neun bis zehn Jahren jeweils 50 Euro erhalten. Dabei soll die soziale und psychologische Entwicklung des Kindes berücksichtigt werden.

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