Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Ärzteverbände drängen Software- Hersteller zu Friedensschluss

NEU-ISENBURG (fst). Vier Ärzteverbände haben an die Hersteller von Praxissoftware appelliert, ihre juristischen Auseinandersetzungen über die EDV-Anbindung beim AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg zu beenden.

Falls es zu Verzögerungen bei der Installation der Software komme, entstünde den Hausärzten in Baden-Württemberg "ein erheblicher finanzieller Schaden", schreiben der Bundesverband der Ärztegenossenschaften, Deutscher Hausärzteverband, Medi Deutschland und der NAV-Virchowbund in einem Offenen Brief.

Hintergrund ist der Streit zwischen den EDV-Herstellern InterComponentWare (ICW) und DOCexpert. DOCexpert hatte kürzlich dem Konkurrenten in einer Einstweiligen Verfügung untersagen lassen, "zu Wettbewerbszwecken die Software Hausarzt plus zu vertreiben oder zu installieren". Dagegen hat ICW Widerspruch beim Landegericht Heidelberg eingelegt (wir berichteten).

Bislang ist "Hausarzt plus" die einzige Software im AOK-Vertrag, die von den Vertragspartnern zugelassen ist. DOCexpert beklagt, ICW verfüge über eine Monopolstellung, die teilnahmewillige Hausärzte zwinge, die Software "Hausarzt plus" zu verwenden.

Die vier Ärzteverbände zeigen sich überzeugt, dass die EDV-gestützte Umsetzung von Verträgen nach Paragraf 73 oder 140a ff. SGB auch künftig "ein entscheidender Problempunkt bleiben wird". Wichtig ist für die Verbände, dass "jeder Arzt an den neuen Verträgen teilnehmen" kann, "unabhängig davon, ob sein EDV-Anbieter in der Praxis die Voraussetzungen zur Abrechnung und Arzneimittelsteuerung installieren kann oder will".

Unabdingbar sei es außerdem, dass allein die Vertragspartner über die Ausgestaltung des Arzneimittelmoduls entscheiden, "weil sonst eine Steuerung im Arzneimittelbereich unmöglich ist". Alle vier Verbände sprechen sich für einen diskriminierungsfreien Zugang für alle Software-Anbieter aus", "um die Praxisprogramme für die Umsetzung des Hausarzt-Vertrags programmieren zu können."

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