Ärzte Zeitung online, 29.08.2008

Höhere Ärzte-Honorare werden für Versicherte noch teurer

BERLIN (dpa). Gesetzlich Versicherte müssen für die höheren Ärzte-Honorare tiefer in die Tasche greifen als bisher erwartet. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) steigen die Vergütungen für niedergelassene Ärzte im nächsten Jahr um 2,7 Milliarden Euro. Zunächst war von einer Anhebung um mindestens 2,5 Milliarden Euro die Rede gewesen. Der Abschluss dürfte Versicherte und Arbeitgeber daher eher 0,28 statt 0,25 Beitrags-Prozentpunkte zusätzlich kosten.

Das sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler am Freitag in Berlin. Die Mediziner hatten die Honorar-Anhebung um mehr als 10 Prozent gegen den Widerstand der Kassen zusammen mit dem unabhängigen Schlichter durchgesetzt. Auch die Politik machte sich für eine Erhöhung des Budgets in dem Umfang stark.

Die Anhebung um 2,7 Milliarden Euro ist auch Folge einer stärkeren Ost-West-Angleichung. Nach Angaben der KBV ergibt sich für die neuen Länder eine Vergütung je Versicherten von durchschnittlich 94 bis 95 Prozent des Westniveaus. Köhler: "Wir hoffen, dass wir damit zumindest einen kleinen Beitrag dazu beitragen können, dass die Unterversorgung in den neuen Bundesländern (...) beseitigt werden kann." Der KBV-Chef betonte, dass die Ärzte und Psychotherapeuten in den alten Ländern keine Honorarverluste tragen müssten.

Die Krankenkassen kritisieren den gegen ihre Stimme erfolgten Beschluss: "Diese massive Honorarerhöhung werden leider alle Versicherten deutlich in ihren Portemonnaies spüren", erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Ärzte hatten ursprünglich ein Honorarplus von 4,5 Milliarden Euro für die 145 000 niedergelassenen Ärzte gefordert, mindestens aber 2,5 Milliarden.

Höhe des künftige Einheitssatzes steht noch nicht fest

Wie hoch der künftige Einheitssatz für alle gesetzlichen Versicherten im Zuge des Gesundheitsfonds sein wird, hängt unter anderem noch von den Budgetverhandlungen mit den Kliniken ab. Derzeit liegt der durchschnittliche Beitragssatz bei rund 14,92 Prozent.

KBV-Chef Köhler sprach von einem "wichtigen" Schritt, "um die flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung für die Patienten auf Dauer zu sichern". Zudem sei eine leistungsgerechte Vergütung in Euro und Cent möglich. Die am Krankheitszustand der Versicherten orientierte Gesamtvergütung sei gerechter. Die Trennung der Honoraranteile für Haus- und Fachärzte könne beibehalten werden.

In den Bundesländern wird die Anhebung laut KBV unterschiedlich hoch ausfallen. In Ostdeutschland seien Steigerungen bis zu 20 Prozent möglich, im Westen bis zu 14 Prozent. Es werde aber auch Zuwächse geben, die unter dem Durchschnitt liegen werden. Für Baden- Württemberg etwa sei "gerade so eine schwarze Null" zu erwarten.

Der Hartmannbund nannte das Ergebnis einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Bisher seien lediglich Minimalforderungen diskutiert worden. Der Präsident der "Freien Ärzteschaft", Martin Grauduszus, sprach von einer "seit langem überfälligen Nachzahlung". Der Verband der niedergelassenen Ärzte, der NAV-Virchow-Bund, warf der KBV dagegen vor, sie habe zu wenig herausgeholt. Die FDP sieht in dem Honorarplus "eine teure Marketingmaßnahme" der Bundesregierung.

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