Ärzte Zeitung, 18.09.2008

Freie Ärzteschaft erwartet bis zu 10 000 Demonstranten

Morgen Protestzug zum Brandenburger Tor

BERLIN (ble). Zwischen 5000 und 10 000 Teilnehmer wollen Freie Ärzteschaft (FÄ) und die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) morgen in Berlin für ihren Demonstrationszug gegen die Gesundheitspolitik der großen Koalition mobilisieren.

Das sagte FÄ-Präsident Martin Grauduszus. Zudem erwartet er, dass zur Unterstützung des Protesttags bundesweit jede dritte Praxis geschlossen bleibt.

Das Gesundheitssystem werde "nachhaltig zerstört", der Arzt um die Ecke werde durch die Politik der großen Koalition "ausgehungert und über kurz oder lang verschwinden" begründete Grauduszus den Protestaufruf seines Verbandes. An die Stelle der Niedergelassenen sollen dann Medizinische Versorgungszentren treten, fürchtet er. Es stehe eine Industrialisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens bevor, mit Monopolen ähnlich denen in der Abfall- oder Energiewirtschaft.

Scharfe Kritik übte auch FÄ-Vize Hans-Peter Meuser. So sei die Ende August beschlossene Honorarerhöhung der Vertragsärzte von 2,7 Milliarden Euro oder zehn Prozent eine "Mogelpackung". Für einen Hausbesuch zum Beispiel werde ein Arzt auch weiterhin mit 15 Euro deutlich zu niedrig vergütet, nur die abrechenbare Leistungsmenge steige um zehn Prozent, sagte Meuser. Ziel der Politik sei es, "Ärzte zu Dumpingpreisen" arbeiten zu lassen.

DGVP-Präsident Wolfram-Arnim Candidus bezeichnete das derzeitige Gesundheitssystem als "Rationierungs- und Krankheitsbetreuungssystem". Dagegen müssten sich Versicherte, Patienten, Ärzte und weitere Berufsgruppen gemeinsam wehren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »