Ärzte Zeitung online, 25.09.2008

"Bombastisch!" So erlebt ein Arzt aus Bayern die Demo der 130 000

BERLIN (ami). Sieben Stunden war der internistische Assistenzarzt Christian Glöckner (31) aus der bayrischen Oberpfalz bis zur Großdemonstration in Berlin unterwegs. Die "Ärzte Zeitung" hat ihn bei der Demo begleitet.

Assistenzarzt Christian Glöckner (31) vom Klinikum Burglengenfeld: "So viel ist klar: Es muss etwas passieren!"

Foto: ami

Mit zwei Kollegen und einem Auftrag ist Christian Glöckner aus dem Klinikum Burglengenfeld zur Großdemonstration nach Berlin gekommen.

"Kämpfen Sie für uns", gab der Chefarzt seinen Assistenzärzten mit auf den Weg

"Kämpfen Sie für uns", hat der Chefarzt der Inneren Abteilung seinen Assistenzärzten mit auf den Weg gegeben. Für die Mitarbeiter des 200-Betten-Hauses in der bayrischen Oberpfalz gilt ein Notlagentarifvertrag. Das Personal wird zwischen drei Häusern umgeschichtet, die alle zum Landkreis Schwandorf gehören -noch? Immer wieder wird die Belegschaft von Schließungsdrohungen erschüttert. Glöckner sagt: "Viele haben Zukunftsängste, vor allem die Schwestern. Uns Ärzte betrifft das noch am wenigsten."

60 Mitarbeiter des Klinikums Burglengenfeld kamen zur Großdemo nach Berlin

Insgesamt rund 60 Mitarbeiter der Klinik sind zur Demo gekommen. Der Hausmeister ist auch dabei. Um 1.15 Uhr sind sie in den Sonderzug gestiegen, etwa um die gleiche Zeit in der Nacht zum Freitag werden sie wieder zuhause sein.

Glöckner hat die Reise mit drei Kollegen im Auto abgekürzt. Sie sind um 5.30 Uhr gestartet. Sieben Stunden später am Berliner Hauptbahnhof, mitten im Trubel der Trillerpfeifen, Tröten, Rasseln, Plakate und Transparente sagt der 31-Jährige: "Das ist schon bombastisch."

Die Gruppe aus Burglengenfeld greift immer wieder zu den Trillerpfeifen

Der Zug setzt sich in Richtung Brandenburger Tor in Bewegung. Die Gruppe aus Burglengenfeld greift immer wieder zu den Trillerpfeifen. Eine Fahne des Marburger Bundes dient ihr als Orientierung. Trotzdem verlieren sie sich zwischendurch in den Menschenmassen aus den Augen. Handykontakt ist vor der Lärmkulisse quasi unmöglich. Dann klappt es doch. Vor dem Brandenburger Tor treffen sich alle wieder und stimmen gemeinsam in die Musik beim Bühnenprogramm ein.

Alle singen und tanzen mit bei "Westerland" - dem Hit der Popgruppe "Die Ärzte"

Alle singen und tanzen mit beim "Ärzte"-Hit "Westerland". Glöckner ist begeistert: "Die Stimmung ist super. Die Menge an Menschen ist das Beeindruckendste überhaupt", sagt er. Eines ist ihm besonders wichtig: "Hier funktioniert der Zusammenhalt, das wird sehr viel Aufmerksamkeit auf unsere schwierige Lage lenken."

Die Kundgebungsbeiträge untermalt die ganze Burglengenfelder Gruppe mit ihren Trillerpfeifen. Dass sich die Demonstranten anschließend so schnell auflösen, findet Glöckner schade. Die Fahrgemeinschaft aus Burglengenfeld harrt bis zum Ende aus. Nach einem Kaffee auf der Friedrichstraße treten sie die Rückfahrt an. Glöckners Fazit: "Ich fand's toll. Dass es auch politisch etwas bewirkt, können wir nur hoffen. Denn so viel ist klar: Es muss etwas passieren!"

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