Ärzte Zeitung, 15.10.2008

Immer mehr Kliniken zahlen für das PJ

Umfrage des Hartmannbundes: Medizinstudenten in 108 Lehrkrankenhäusern erhalten Aufwandsentschädigung

BERLIN (ble). Der anhaltende Ärztemangel in Deutschland wirkt sich offenbar positiv auf die finanzielle Situation der Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) aus.

Immer mehr Kliniken zahlen für das PJ

Seit zwei Jahren machen Studenten des HB, wie hier in Berlin, für eine Bezahlung des PJ mobil.

Foto: ami

Nach Recherchen des Hartmannbundes (HB) leisten inzwischen immer mehr Lehrkrankenhäuser eine Vergütung für die PJ-Tätigkeit der von den Unikliniken abgestellten Nachwuchsmediziner. Danach zahlen derzeit bundesweit mindestens 108 Kliniken ihren PJlern eine Aufwandsentschädigung, weitere Kliniken wollen dies in den kommenden Monaten tun oder beraten noch, wie aus einer am Montag vorgestellten Umfrage des Verbands hervorgeht.

Befragt wurden hierzu alle Unikliniken und die von ihnen ermächtigten Lehrkrankenhäuser in Deutschland. Insgesamt sind das 512 Einrichtungen. Bislang antworteten 241 Kliniken auf den Fragenkatalog des HB.

Allerdings unterscheidet sich die Unterstützung in ihrer Höhe nach Angaben des HB erheblich: So zahlt das Evangelische Krankenhaus Stift Betlehem in Ludwigslust, Lehrkrankenhaus der Uniklinik Rostock, eine monatliche Vergütung von 100 Euro und gewährt freie Kost und Unterkunft. Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide, Lehrkrankenhaus der Uniklinik Göttingen, zahlt bei freier Verpflegung und Unterkunft hingegen 600 Euro. Dagegen untersagt etwa die Uniklinik Frankfurt am Main ihrem Lehrkrankenhaus in Offenbach dessen Angaben zufolge strikt die Zahlung einer Aufwandsentschädigung.

Winn sieht gute Chancen für Kliniken auf dem Land

Zusätzlich oder alternativ zur Vergütung oder kostenfreien Logis zahlen einige Kliniken beispielsweise Fahrtkostenzuschüsse, stellen die Arbeitskleidung, bieten einen Internetzugang, gewähren Studienfreizeiten oder einen kostenlosen Strahlenschutzkurs.

HB-Chef Kurt Winn forderte die Kliniken, die eine Vergütung des Medizinnachwuchses weiter ablehnen, zum Umdenken auf: "Es ist nicht einzusehen, dass angehende Ärzte dazu gezwungen sind, neben langen und anstrengenden Diensten im Krankenhaus für ihren Lebensunterhalt zu sorgen." Der Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudenten im HB, Max Pattmöller, sagte: "Jede Krankenschwester bekommt doch auch schon im ersten Lehrjahr Geld." Zudem schließe sich direkt an das PJ das Hammerexamen an, für das eine intensive Vorbereitung notwendig sei. Nach Ansicht von Pattmöller bleibt da keine Zeit mehr für einen Nebenjob. Interessierte Studenten können die Liste beim HB anfordern.

Nach Worten von Winn geht es dem HB bei seiner Forderung nicht um eine konkrete oder einheitliche Höhe der Vergütung, wohl aber um den Wettbewerb zwischen den Häusern. "Mit Hilfe einer attraktiven Honorierung können besonders Lehrkrankenhäuser in strukturschwachen Regionen ihren Standortnachteil möglicherweise sogar ausgleichen", wirbt er gerade unter ihnen um weitere Nachahmer.

Der Bayerische Ärztetag in Würzburg hat vergangene Woche für PJler eine bundesweit einheitliche Vergütung von 400 Euro pro Monat gefordert.

Helios: 700 Euro für das Praktische Jahr ab 2010

Vorreiter bei der Vergütung von Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) ist die Helios-Klinikgruppe. Bereits Ende 2006 schloss sie mit der Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund eine entsprechende tarifvertragliche Vereinbarung ab, die im April 2007 ergänzt wurde. Danach verpflichtet sich Helios, seinen PJlern eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro pro Monat zu zahlen. Ab Juli kommenden Jahres soll die Vergütung auf 600 Euro ansteigen, ab Juli 2010 sind dann 700 Euro vorgesehen.

Zur Helios-Klinikkette gehören 61 eigene Kliniken, darunter fünf Maximalversorger in Erfurt, Berlin-Buch, Wuppertal, Schwerin und Krefeld.

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