Ärzte Zeitung online, 23.10.2008

Ärzte wollen mehr Geld - Neue Verhandlungen mit den Kassen starten

BERLIN (dpa). Die niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg, Nordrhein und in Schleswig-Holstein erwarten von neuen Verhandlungen mit den Krankenkassen höhere Honorare. Zwei Monate nach der Einigung auf einen Aufschlag von insgesamt 2,7 Milliarden Euro für die Ärzte bundesweit für 2009 kommt das entscheidende Gremium, der Erweiterte Bewertungsausschuss, an diesem Donnerstag erneut zusammen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg erwartet von der neuen Verhandlungsrunde eine Gleichstellung, wie der Vorsitzende Achim Hoffmann-Goldmayer am Mittwoch der dpa sagte. Das Honorarplus ist unterschiedlich verteilt. Bei den Medizinern im Südwesten, im Rheinland und im Norden soll das Plus kommendes Jahr am geringsten ausfallen. Hier könnten nun mehrere hundert Millionen Euro zusätzlich auf Kosten der Beitragszahler anfallen. Wenn es nicht zu einem Aufschlag zulasten der Kassen kommt, müsste das Geld zwischen den Ärzten anders verteilt werden, soll den Wünschen entsprochen werden.

"Wir setzen uns für einen Erhalt der guten Versorgungsstrukturen in Baden-Württemberg ein ­ dies kann aber nicht auf Kosten unserer Mitglieder geschehen", sagte Hoffmann-Goldmayer.

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Marco Dethlefsen, sagte der dpa: "Es muss deutlich mehr sein als die bisher vorgesehenen 3,9 Prozent." Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein hatte es geheißen, mal fühle sich als "Bauernopfer" des Honorarkompromisses.

Die im August beschlossene Aufstockung der Ärztehonorare um mehr als zehn Prozent ist einer der Gründe, weshalb die Krankenkassenbeiträge Anfang 2009 einheitlich auf 15,5 Prozent steigen sollen. Im Schnitt sollen die rund 145 000 Kassenärzte und Therapeuten 2009 je rund 18 000 Euro mehr bekommen.

"Die bundespolitischen Zusagen sind aus baden-württembergischer Sicht unbedingt einzuhalten."

In einer Mitteilung des Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg erklärte die Arbeits- und Sozialministerin des Landes, Dr. Monika Stolz: "Die bundespoltischen Zusagen sind aus baden-württembergischer Sicht unbedingt einzuhalten." Zugesichert war, dass durch die Gesundheits- und Vergütungsreform es in keinem Bezirk einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu Honorareinbußen kommen wird.

"Nach den uns bisher vorliegenden Zahlen ist das nicht gewährleistet. Im Interesse einer guten ärztlichen Versorgung der Bevölkerung hat sich die baden-württembergische Landesregierung immer für eine angemessene Vergütung der niedergelassenen Ärzte eingesetzt. Wir respektieren zwar grundsätzlich die Entscheidungen der gemeinsamen Selbstverwaltung.

Die beschlossene Honorarverteilung führt aber dazu, dass die KV-Bezirke benachteiligt werden, die einen hohen Punktwert bei einer geringen Leistungsmenge haben. Das trifft auf Baden-Württemberg zu. Daher habe ich die Bundesgesundheitsministerin angeschrieben und dränge auf Einhaltung der bundespolitischen Vorgaben."

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