Ärzte Zeitung online, 31.10.2008

Hessische Linke fordert Fonds für Versorgung von sozial Schwachen

WIESBADEN (ine). SPD und Grüne wollen in Hessen die Regierung übernehmen - und sich von der Linkspartei tolerieren lassen. Unter bestimmten Bedingungen sind die Linken dazu bereit. Dazu gehört etwa die Forderung, Armut stärker zu bekämpfen.

Ein detailliertes Programm zum Thema Gesundheit kann die Partei nicht vorweisen. "Wir müssen uns erst noch einarbeiten", sagt Marjana Schott, sozialpolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Wiesbadener Landtag zur "Ärzte Zeitung".

Die Linke war im Januar mit 5,1 Prozent der Wählerstimmen in den Landtag gewählt worden. Seitdem stellt die Partei mit sechs Abgeordneten die kleinste Fraktion. Marjana Schott ist parlamentarische Geschäftsführerin und stellvertretende Landesvorsitzende. Sie hat Sozialpädagogik studiert und unter anderem in einer Schuldner- und Insolvenzberatung gearbeitet. Gesundheitspolitik bedeutet für sie in erster Linie Sozialpolitik. "Menschen mit geringem Einkommen können sich in unserem Land bestimmte medizinische Leistungen nicht mehr leisten", sagt Schott.

"Gehen Sie doch mal zum Augenarzt, um sich eine neue Brille zu holen - da müssen sie tief ins Portemonnaie greifen." Ihre Partei plant, einen Landes-Gesundheitsfonds einzurichten, um dafür zu sorgen, dass auch sozial Schwache medizinisch gut versorgt werden. "Ich weiß aus meiner Zeit als Insolvenzberaterin, dass viele Zahnärzte keine Zahlung auf Raten anbieten, weil sie fürchten, ihr Geld nicht mehr zu bekommen." Das Geld für den Fonds soll die neue Landesregierung bereitstellen. "Wir haben ja auch viel Geld in die Banken gesteckt - da muss doch was möglich sein."

Bei allem Enthusiasmus ist Marjana Schott auch realistisch. "Wir haben in Hessen einen defizitären Haushalt - die desolate Situation ist ein Albtraum." Vor diesem Hintergrund ist ihr klar, dass die von der Partei geforderte Rückgängigmachung der Privatisierung der Unikliniken Gießen und Marburg nicht von heute auf morgen realisiert werden kann. "Wir haben mit SPD und Grünen darüber gesprochen", sagt Schott. "Wir müssen erstmal ganz genau hinschauen, was dort im Bereich Forschung und Lehre geschieht." Sie fürchtet, dass der Bereich leidet, wenn die Häuser mit einem privaten Betreiber unter finanziellem Druck stehen. "Man muss auch in Nischen forschen können, die wirtschaftlich nicht so attraktiv sind", fordert Schott. Sie sieht sich ohnehin auf Seiten des Personals. "Der Sparkurs an Kliniken führt zu Stelleneinsparungen im Bereich der Pflege - und geht damit zu Lasten all derjenigen, die ohnehin schon Knochenarbeit leisten müssen."

Im niedergelassenen Bereich macht die Politikerin vor allem auf dem Land Versorgungsprobleme aus. Viele Ärzte gingen in den Ruhestand, Nachfolger seien schwer zu finden, Praxisneugründungen seien ein Wagnis. Ihre Erfahrung: "Junge Ärzte stehen schnell wirtschaftlich im Aus". Eine Möglichkeit, die Zukunft einer Praxis zu sichern seien Kooperationen. Dies könnten Ärztenetze oder Medizinische Versorgungszentren sein. "Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass ältere Menschen verkehrstechnisch in die Praxen kommen." Deshalb müsse unbedingt auch der Nahverkehr verbessert werden.

Um die Kompetenzen der Linken im gesundheitspolitischen Bereich zu stärken , will Marjana Schott einen Facharbeitskreis gründen. Sie bittet deshalb Ärzte, Pflegende und Experten, die sich im Gesundheitswesen auskennen, mitzuarbeiten. "Sie müssen nicht in der Partei sein", sagt Schott. Ihr ist an einem Meinungsaustausch gelegen: "Das ist mir ein großes Anliegen."

Marjana Schott ist per E-Mail unter marjana.schott@die-linke-hessen.de erreichbar. Telefon: 0561/5858144.

Zur Person:

Marjana Schott wurde 1958 in Bad Hersfeld geboren. Sie ist verheiratet und hat einen 25 Jahre alten Sohn. Schott hat Sozialpädagogik in Kassel studiert und arbeitete einige Jahre als freiberufliche Insolvenzverwalterin. Im Jahr 2002 ist sie in die PDS eingetreten, seit 2007 ist sie Vize-Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, seit 2008 ist sie Mitglied des Landtages.

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Berufspolitik (17360)

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