Ärzte Zeitung, 24.11.2008

Bessere Qualität für Windeln bei AOK-Patienten in Niedersachsen

Kasse zahlt Heimen höhere Aufwandspauschale

HANNOVER (cben). Die AOK Niedersachsen macht einen Rückzieher bei der im September neu organisierten Versorgung mit Inkontinenzartikeln. Nach Lieferschwierigkeiten und Qualitätsproblemen der neuen Anbieter erhalten Pflegeheime nun rückwirkend von Oktober an eine monatliche Aufwandspauschale für jeden inkontinenten Bewohner.

Bessere Qualität für Windeln bei AOK-Patienten in Niedersachsen

Windeln für Inkontinenz-Patienten werden beim Hersteller kontrolliert.

Foto: dpa

Mit dem Zuschuss sollen für die Kosten, die bei Lagerung und Lieferung der Artikel anfallen, ein Ausgleich geschaffen werden, erklärte Klaus Altmann, Sprecher der AOK Niedersachsen der "Ärzte Zeitung". Wer die Windeln nicht rechzeitig oder in schlechter Qualität erhalten habe, "kann selber bei einem Anbieter seiner Wahl kaufen und erhält das Geld von der AOK zurück", sagte Altmann. "Wir bedauern, dass sich im Zuge der Ausschreibung zum Teil gravierende Probleme gezeigt haben", erklärte AOK-Vorstand Jürgen Peter.

Im Januar hatte die AOK die Versorgung mit Inkontinenzartikeln auf Basis von Paragraf 127 SGB V (Hilfsmittelversorgung) europaweit ausgeschrieben. Die AOK konnte die Gesamtausgaben von jährlich 23 Millionen Euro um sieben Millionen Euro senken. Zuvor erhielten die Heime 39,90 Euro pro Patient und Monat für die Windeln. Inklusive des beschlossenen Zuschlages sind es 33 Euro.

"Wir waren der Eisbrecher", umschreibt Klaus Altmann das Engagement der AOK, die als erste Kasse die Ausschreibung wagte. Andere Kassen sind zurückhaltender. Nur einige haben bisher die Versorgung ausgeschrieben, sagte Hanno Kummer, Sprecher des VdAK/AEK Niedersachsen. Der Verband hat die Pauschale für Heime von 39,90 Euro auf 33 Euro herunter gehandelt - der gleiche Betrag, den nun die AOK zahlt. Aber die Eisbrecherfunktion der AOK läuft möglicherweise ins Leere. Denn das Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen der GKV hat den Paragrafen 127 SGB V in eine Kann-Bestimmung verwandelt.

Auch aus anderen Bundesländern gibt es Berichte, dass die Qualität von Hilfsmitteln nach der Ausschreibung deutlich gesunken ist.

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