Ärzte Zeitung, 24.11.2008

Kommentar

Prioritäten für die Medizin?

Von Helmut Laschet

Ein Blick in den europäischen Consumer-Healthcare-Index, der vor gut einer Woche veröffentlicht worden ist, ist geeignet, etwa Klarheit dafür zu schaffen, ob Priorisierung im deutschen Gesundheitswesen nötig ist. Insgesamt schafft Deutschland im europäischen Vergleich den sechsten Platz, liegt aber ganz vorn beim Zugang und bei geringen Wartezeiten. Die Schwäche in Deutschland ist nicht eine generelle Knappheit an medizinischen Leistungen, sondern deren eher mittelmäßige Performance.

Wer nach einer Priorisierung und mehr staatlicher Verantwortung ruft, muss sich der Tatsache bewusst werden, dass dies Eingriffe in die Selbstverwaltung und auch in die Selbstbestimmung bedeuten kann. Eine Folge existierender Freiheiten ist, dass es in Ballungsregionen Überversorgung mit Ärzten gibt, während andernorts Lücken klaffen.

Zumindest nach der Vergütungsreform für 2009 lässt sich schwerlich mit unzulänglicher Honorierung argumentieren. Die Versorgungsunterschiede werden deshalb aber kaum beseitigt. Sieht man, wie in Skandinavien, möglichst gleichen Zugang zur Medizin für alle Patienten als prioritär an, so wäre dies nur mit staatlichem Zwang durchzusetzen. Die Frage ist, ob Ärzte das wirklich wollen können.

Lesen Sie dazu auch:
Priorisierung - Ärzte bleiben in der Pflicht

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17134)
Personen
Helmut Laschet (1273)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »