Ärzte Zeitung, 11.12.2008

Gewichtsmessung bei Vorsorge auf der Kippe

Kinderarzt: GBA erwägt, auf Erhebung von Gewicht und Größe zu verzichten

MÜNCHEN (sto). Die Verlaufskontrolle des Wachstums und des Gewichts von Kindern und Jugendlichen bei Vorsorgeuntersuchungen steht nach Angaben des Münchner Kinderarztes Professor Detlef Kunze beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) auf dem Prüfstand.

Dabei vertrete der GBA offenbar die Auffassung, dass auf diesen Teil der Vorsorgeuntersuchungen verzichtet werden kann, weil es für den Nutzen von regelmäßigen Messungen keine evidenzbasierten Belege gebe, berichtete Kunze in München.

Dass die regelmäßige Messung von Größe und Gewicht nicht nur sinnvoll ist, sondern sogar dazu beitragen kann Wachstumsstörungen rechtzeitig zu erkennen, zeige das seit dem Jahr 2002 laufende Münchner Auxologie Projekt (MAP), berichtete Kunze.

Seit 2004 wurden in etwa 25 Kinderarztpraxen in München und Augsburg über 15 000 Kinder und Jugendliche mit speziellen Messgeräten unter standardisierten Bedingungen gemessen und rund 36 500 Messergebnisse an eine zentrale Datenbank weitergeleitet. Bei etwa 100 Kindern und Jugendlichen wurden auffällige Ergebnisse gefunden, die auf behandlungsbedürftigen Kleinwuchs hinwiesen, berichtete Kunze.

Das Münchner Auxologie Projekt, das von Sandoz unterstützt wird, könnte nach Kunzes Ansicht Vorbild für eine bundesweite Umsetzung sein. Durch elektronische Übermittlung anonymisierter Daten könnte ein Screening aller in den Praxen der Kinder- und Jugendärzte gemessenen Werte aufgebaut werden, sodass auffällige Werte und Abweichungen frühzeitig erkannt werden können.

Dabei spiele auch eine frühzeitig auffällige Gewichtsentwicklung eine Rolle: Durch den Verlauf der BMI-Perzentilen lasse sich ein beginnendes Übergewicht als Zeichen einer Adipositas-Entwicklung erkennen, erläuterte Kunze.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »