Ärzte Zeitung online, 16.01.2009

Wieder mehr Spielraum beim Arzthonorar

KÖLN (iss). Die Kassenärztlichen Vereinigungen werden wieder mehr Handlungsfreiheit bei der Honorarverteilung erhalten. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am Donnerstag für das neue Honorarsystem einstimmig eine Konvergenzphase vom 1. April 2009 bis Ende 2010 beschlossen.

Wieder mehr Spielraum beim Arzthonorar

Foto: Udo Kroener ©www.fotolia.de

Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten nun mit den Krankenkassen die erforderlichen Korrekturen verhandeln, sagte Dr. Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Dabei könne es um Versorgungsbereiche, Arztgruppen oder einzelne Praxen gehen. "Für die Krankenkassen besteht dabei keine Nachschusspflicht", sagte Stahl. Das Geld für die Bereiche, in denen nachgebessert wird, stammt also von denen, die nach der bisherigen Bemessung der Regelleistungsvolumina (RLV) überdurchschnittlich profitiert haben. Dafür gibt es keine bundesweiten prozentualen Vorgaben, die Umverteilung müssen die KVen regional verhandeln. KVen, die ihre RLV-Bescheide unter Vorbehalt versandt haben, können mit den Kassen auch rückwirkende Korrekturen zum 1. Januar aushandeln.

"Wir appellieren an die Krankenkassen in den Ländern, sich dem Ansinnen der KVen nicht zu verschließen, da es um die Versorgungssicherheit geht", sagte Stahl.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein Dr. Leonhard Hansen begrüßte den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses. "Jetzt haben wir wieder einen Ermessungsspielraum, mit dem wir arbeiten können." Bisher hätten die KVen lediglich bundesweite Vorgaben exekutieren müssen, "die manche an den Rand der Existenz bringen würden".

Hansen bezeichnete es als enorm wichtig, dass die KVen wieder Praxisbesonderheiten und -schwerpunkten Rechnung tragen können. Die momentan geltende Regel, dass Praxisbesonderheiten erst bei einer Abweichung von 30 Prozent Rechnung getragen werden könne, entspreche nicht den Versorgungserfordernissen.

Auch die KV Schleswig-Holstein begrüßte das Verhandlungsergebnis. "Nun kommt es darauf an, mit dem wiedergewonnenen regionalen Spielraum verantwortungsvoll umzugehen und die erheblichen Honorarunterschiede auszugleichen", sagte die kommissarische Vorstandsvorsitzende Dr. Ingeborg Kreuz. Da kein zusätzliches Geld fließe, erfordere das die Solidarität der sogenannten Gewinner. "Hier müssen wir eine Akzeptanz herstellen. Ein einfacher Heckenschnitt führt nicht zum Ziel", sagte sie.

[16.01.2009, 22:18:26]
Dr. Erhard Eberl 
Alles wie gehabt
Jetzt neu wieder mehr Spielraum beim Arzthonorar und nachträgliche Korrekturen? Man kann es auch anders ausdrücken: statt der versprochenen Kalkulationssicherheit zu Beginn des Quartals nun wieder der Blindflug. Hatten wir alles schon bisher, nichts bessert sich. Die einzigen die sich freuen dürften die Funktionäre sein. zum Beitrag »

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