Ärzte Zeitung, 23.01.2009

Geld, Macht und Morbi-RSA in sieben Minuten

Hausärzte in Bayern "bereichern" sich durch die Drohung, die Erkrankungen ihrer Patienten nicht korrekt zu codieren. So habe sich der Hausärzteverband den AOK-Vertrag förmlich erpresst, hieß es am Donnerstag im ARD-Magazin "Panorama".

Hausärzteverbands-Chef Dr. Wolfgang Hoppenthaller, hier im "Panorama"-Interview, beklagt "sinnentstellendes Weglassen" im TV-Beitrag. Screenshot: ARD

Mit scharfen Schnitten und knappen Zitaten suggerierte der Beitrag, was Moderatorin Anja Reschke als "Kuhhandel" zwischen Kasse und Ärzten bezeichnete. Doch in dem Sieben-Minuten-Beitrag wurden Information und Meinung eng vermengt.

Richtig ist: Mit dem morbiditätsorientierten Risikoausgleich erhält die korrekte Codierung durch Ärzte einen größeren Stellenwert als bisher. Denn über die Morbidität der Versicherten bestimmt sich die Höhe der Zuweisungen, die eine Kasse aus dem Gesundheitsfonds erhält. Doch diese Rechtskonstruktion ist ein Werk des Gesetzgebers, nicht das der Hausärzte. Geschockt durch niedrige Regelleistungsvolumen suchen viele Ärzteverbände ihr Heil in Einzelverträgen - so auch die Hausärzte. Der AOK-Beitrag, sagte Verbandschef Dr. Wolfgang Hoppenthaller im Magazinbeitrag, "sichert unser Überleben". Der zentrale Vorwurf lautet, Ärzte würden im Gegenzug die Patienten "kränker" machen als sie tatsächlich sind. Dafür verweist "Panorama" auf ein angeblich "internes Schreiben", das tatsächlich seit 17. Dezember 2008 im Internet abrufbar ist. Darin ruft Hoppenthaller seine Kollegen auf, die Codierung der AOK-Versicherten zu "überprüfen".

Natürlich inszeniert Hoppenthaller ein Machtspiel, wenn er nach dem AOK-Vorbild auch Verträge mit anderen Kassenverbänden fordert. Das mögen Kassenvertreter wie Jörg Saatkamp vom BKK-Landesverband natürlich nicht, er wirft Hoppenthaller "Nötigung" vor. Dieser empört sich seinerseits über "sinnentstellendes Weglassen" und wirft den "Panorama"-Machern Manipulation vor.

Im Internet-Forum des Magazins versteht derweil ein Hausarzt die Welt nicht mehr. Durch sein RLV drohe ihm ein Verlust von bis zu 15 Prozent. Doch die TV-Überschrift laute: "Ärzte bereichern sich". "Auf welchem Planeten leben Sie?", fragt er die Redaktion.

Florian Staeck

[27.01.2009, 02:48:27]
Dr. Karl-Heinz Grimm  dr.grimm-mbg@t-online.de
Hausärzte-RLV und AOK-Vertrag
Tatsächlich bedeutet das RLV- Volumen für meine Praxis nach dem bisherigen Falldurchschnitt einen Verlust von 30 000 € für das 1. Quartal 09. Damit ist die Praxis existentiell gefährdet. Rechnet man nun noch Außerbudgetäre Leistunge dazu - in meinem Fall Methadonsubstitution - und den Ausgleich der AOK für deren Pat. für das 1. quuartal 09 dann bleibt nach meinen hochrechnungen noch ein Verlust von 15 000€ nur für das 1. Quartal. Bei gleichbleibenden Unkosten muss ich also auf mein Einkommen - von dem auch ein Mehrpersonenhaushalt existieren muss - verzichten. Wem kann so etwas bei 70-80 Stdn Arbeit in der woche zugemutet werden? Ich denke das ist Bestrafung für Arbeit.Vernictet wwerden dabei Arbeitsplätze unserer helferinnen und lehrstellen, behindert wird die qualitativer Versorgung der patienten, die auf die Arbeit unserer Teams angewiesen sind.Den anderen betroffenen Kollegen geht es nicht anders. Bestraft werden müssen aber diejenigen, die diese Gesundheitspolitik mit diesen Auswirkungen machen.Für den Schaden an den Versicherten sollten die Bundestagsabgeordnteten ,die diesem unglaublich dummen "Reformgesetzt" blindlings und ahnungslos ohne Prüfung der Gesetztesvorlage zugestimmt haben regresspflichtig gemacht werden. Diese politik zerstört das Gesundheitssystem um es endgültig verstaatlichen zu können.Dass dann die Kosten sicher bei weitem höher liegen wie jetzt dürfte klar sein, der politik ist das aber sicher egal wenn nur die sozialistische gesundheitspolitische Doktrin von dieser Gesundheitszerstörungsministerin durchgesezt wird.Diese Gesundheitspolitik führt unserem Land insgesamt schweren Schaden zu und führt zu innerem Unfrieden. Die verantwortlichen Politiker müssen nach geltendem Recht zurücktreten, denn sie haben ihren Amtseid -"schaden vom deutschen volk abzuwenden " - verletzt.natürlich werden sie das nicht tun, es bleibt also nur die Hoffnung, dass bei der nächsten Wahl entsprechende Ergebnisse dieses nachholen.
Leider hatte ich selbst nicht die Gelegenheit die Panorama-Sendung über den Hausarztvertrag der AOK in Bayern verfolgen zukönnen. Für Neid gibt es jedoch keinen Grund, denn nur durch den Vertrag zwichen dem BHÄV und der AOK kann ein Weiterfunktionieren der hausärztlichen Grundversorgung in Bayern möglich gemacht werden. Leider profitieren am meisten die anderen Kassen, da deren Mitglieder für nicht kostendeckende Honorare versorgt werden müssen.
Die Äußerungen und Drohungen der Vorstände des VdEK und des Verbandes der BKK zeigen nur wie weit deren Moral gesunken ist. Ich kann nur sagen diese Herren sollten sich vor Scham verkriechen und ihre Ämter abgeben. Man sollte sie auch erstmal warten lassen was am Ende eines Quartals noch für Geld in der Kasse ihrer kranken Kasse ist um für sie ein Gehalt ausbezahlen zu können, von "verdient haben" kann dabei sowieso keine Rede sein.
Insgesamt eine beschämende Situation für unser Land, das es sich leisten kann für schwerste Managmentfehler der obereren Banker hunderte von Milliarden Euro in kürzester Zeit locker machen zu können ohne die Manager dafür zur Verantwortung zu ziehen, aber für die Arbeit der Ärzte kein ausreichendes Honorar mehr ausgezahlt werden soll ovbwohl es vorhanden ist. Ein Bruchteil der für die Banken notwendigen Kredite wäre ausreichend.
Eine "Reform" die in so kurzer Zeit so viel Schaden und unruhe anrichtet wie diese Gesundheitsreform gehört umgehend eingestampft samt der dafür Verantwortlichen.
mit resignierenden Grüßen an die Politiker
Dr.med Karl-heinz Grimm
Allgemeinarzt und Hausarzt.
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[26.01.2009, 13:48:54]
Helmut Karsch 
"Was heißt hier denn richtige Codierung?"
Einmal unterstellt, dass gegenüber dem Gesundheitsfond durch alle Ärzte und alle Kassen richtig codiert wird, sind doch Mittel und Mittelherkunft immer noch beim Beitragszahler. Wenn also jetzt der Fond die Mittel verteilt und sich die Morbidität aufgrund der enstehenden Codierungsorgien signifikant ändert, stellt sich doch die Frage wer das bezahlt. Dann passt es wohl nicht in die Landschaft, dass man erst dem Hausarztverband ein Monopolmandat gibt, dann unglaubliche Geldmengen in diese Richtung pumpt und dem Beitragszahler nicht erklärt was er eigentlich dafür mehr bekommt außer den Hinweis, dass die Hausärzte das Geld ja wieder einsparen müssen, denn teurer soll es doch nicht werden. Da aber die Kostenreduktion bei der Arzneiversorgung und bei Überweisung zum Facharzt und Einweisung ins Krankenhaus entstehen soll, wird sich die Versorgung doch verschlechtern. Dafür hatte der Gesetzgeber doch die Hausarzt-Facharzttrennung herbeigeführt und die Hausärzt zu Barfussärzten gemacht. Fakt ist jedenfalls das profilneurotische Verbandsfunktionäre mit dem Hang zur Selbstdarstellung niemandem gegnüber belegen können, dass es diese Form der Mittelzuwendung durch die AOK Bayern ohne "Gegenleistung" gibt. Somit war der Beitrag als Hinweis gedacht.  zum Beitrag »

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