Ärzte Zeitung online, 11.03.2009

8000 Ärzte protestieren in Stuttgart und fordern Alternative zur KV

STUTTGART (fst). Niedergelassene Ärzte in Baden-Württemberg wollen ein "Modell für Deutschland" sein und das KV-System hinter sich lassen. Über 8000 Ärzte und Praxismitarbeiter haben am Mittwochnachmittag in Stuttgart unter dem Motto "Gemeinsam unsere Praxen retten" gegen die Gesundheitspolitik und die Honorarreform demonstriert (wie kurz berichtet).

8000 Ärzte protestieren in Stuttgart und fordern Alternative zur KV

Heute bleibt die Praxis zu - niedergelassene Ärzte im Südwesten protestieren.

Foto: dpa Bildfunk

"Das System hat sich überholt", sagte Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner unmittelbar vor der Veranstaltung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart. Er setzt auf den Ausstieg aus dem KV-System durch Verträge nach Paragraf 73b und c. Die KBV stehe dem "Desaster der Honorarreform" völlig hilflos gegenüber, betonte der Hausärzteverbands-Chef Dr. Berthold Dietsche. Die Reform habe "nichts mit dem zu tun, was uns zugesagt wurde". Fälschlich behauptet die KBV bis heute, es handele sich um eine Euro-Gebührenordnung, beschwerte sich Dietsche. Tatsächlich seien "Punktewolken" nur umetikettiert worden, sagte der Verbandschef.

Als Vertreter der Fachärzte bezeichnete Dr. Norbert Metke die Lage in den Praxen als dramatisch. "Wir können und wir werden die Versorgung nicht mehr wie bisher aufrechterhalten", kündigte er an. Er selbst, sagte der Orthopäde, habe bereits zwei von fünf Mitarbeitern entlassen müssen. Die Fachärzte werden Patienten künftig öfter an die Kliniken überweisen müssen, weil nicht mehr ausreichend Personal in den Praxen vorhanden sei, erklärte Metke. Alle Patienten, die warten können, "werden warten müssen", so Metke. Medi und Hausärzteverband kündigten Praxisschließungen am 1. April sowie am 1. und 2. Juli an. Außerdem sollen Patienten "Wahlempfehlungen" in den Praxen gegeben werden. Die Verbände forderten zudem eine gesetzliche Verpflichtung für Kassen, auch für Fachärzte Verträge nach Paragraf 73 c anbieten zu müssen. Zudem sollten - wie schon die Patienten - auch Ärzte das Recht haben, die Kostenerstattung wählen zu können.

Locker lassen wollen die Ärzte im Südwesten nicht: Die nächste Großveranstaltung mit Praxisschließungen ist für den 23. September geplant: vier Tage vor der Bundestagswahl.

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