Ärzte Zeitung, 27.03.2009

Können KVen in Zukunft noch Qualität bieten?

BERLIN (HL). Für seine überaus harsche Kritik am KV-System ist der bayerische KV-Vorsitzende Dr. Axel Munte heftig gescholten worden - die Fakten und Argumente, die er in der Debatte anführt, sind damit jedoch nicht aus dem Weg geräumt.

Munte analysiert dabei zwei Ebenen. Die eine ist die unmittelbare und für Bayern spürbar negative Wirkung der Vergütungsreform. Seine Thesen hierzu sind: Die Regelleistungsvolumina (RLV) sind für die meisten Arztgruppen zu niedrig, um eine Grundversorgung zu gewährleisten. Bei unterschiedlichen Leistungsspektren von Fachärzten wirken sie pauschalierend und dabei zuungunsten qualifizierter Ärzte. Die Arztgruppen partizipierten überdies nicht gleichermaßen an relevanten freien Leistungen, deren Katalog außerdem auch lückenhaft sei. Insgesamt stellt Munte fest: "Die Systematik der RLV ist leistungs- und qualitätsfeindlich."

Bestimmt ist die Analyse allerdings von der speziellen bayerischen Perspektive. Die neue Vergütungssystematik, die auf eine Angleichung der Vergütungsniveaus und -strukturen in ganz Deutschland abstellt, konterkariert die bisherige bayerische Vertragspolitik und deren Eigenständigkeit. Dabei war Munte bislang bestrebt, speziell in der Facharzt-Medizin zusätzliches Honorar auf besonders qualifizierte Ärzte zu konzentrieren.

Daraus folgt für Munte der zweite Kritikpunkt: Während das KV-Kollektivvertragssystem vereinheitlicht wird, versuchen sich Krankenkassen, derzeitig vor allem die AOK, mit Verträgen nach Paragraf 73 b und c sowie Integrationsverträgen zu profilieren. Bei letzten ist die KV stets ausgeschlossen. Der Zwang für Kassen zum Vertragsabschluss mit dem Hausärzteverband und die notwendige Budgetbereinigung schadeten dem KV-Kollektivvertragssystem.

Lesen Sie dazu auch:
Unmut über Äußerungen von Bayerns KV-Chef Munte

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Scheintransparenz und Bürokratie

Lesen Sie dazu auch das Editorial:
Die Reform der Körperschaften entpuppt sich heute als grandioser Flopp

Lesen Sie dazu auch die Pressestimmen:
PRESSESTIMMEN

Lesen Sie dazu auch:
KV-System unter Druck, Politik streitet
KBV bläst zum Generalangriff auf die Politik
Schmidt will GKV-Honorare von Kassenärzten offenlegen

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (16858)
Organisationen
AOK (6864)
KBV (6342)
Personen
Axel Munte (289)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Ein Erklärbuch für Kinder

Dagmar Eiken-Lüchau hat eine Tochter mit Autismus-Störung. Um anderen Kindern das Thema zu erklären, hat die Mutter ein Buch geschrieben. mehr »