Ärzte Zeitung, 09.04.2009

Orthopäden verlängern den Osterurlaub

Berufsverband im Saarland kündigt Praxisschließungen an / RLV sinkt auf 29,98 Euro

SAARBRÜCKEN (kin). Der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie im Saarland hat dazu aufgerufen, nach Ostern für vier Tage die Praxen zu schließen. Vom 14. bis 17. April soll es nur einen Notdienst geben.

Anlass für die Protestaktion ist die Honorarverteilung. Das Regelleistungsvolumen beträgt für niedergelassene Orthopäden nach Angaben des Berufsverbandes im ersten Quartal 34,78 Euro, im zweiten Quartal sogar nur 29,98 Euro. "Dies entspricht einer ‚Flatrate‘ von etwa zehn Euro pro Monat für die gesamte Basis-Versorgung in unserem Fachgebiet", sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbandes, Dr. Gerd Lanzer.

Im Honorar inklusive seien außer Beratung und Untersuchungen zum Beispiel auch Punktionen, Wundversorgungen und kleine Operationen. "Eine fachärztliche orthopädische Versorgung wird unter diesen Bedingungen nicht mehr zu gewährleisten sein", sagte Lanzer.

Die Folgen seien schon jetzt erkennbar: Wartezeiten wie in England und eine Senkung des Niveaus bei der Patientenversorgung. Kranke müssten außerdem reduzierte Öffnungszeiten hinnehmen und sich darauf einstellen, rascher als bisher ins Krankenhaus überwiesen zu werden.

Auch für das Personal der Fachärzte habe die neue Honorarverteilung Konsequenzen. "Ich werde Entlassungen von Praxispersonal vornehmen müssen", so der Vorsitzende des Berufsverbandes. Auch neue Auszubildende könne er nicht mehr einstellen. Zusätzlich sei Kurzarbeit ein Thema.

An der Saar steigt das Honorar im Schnitt um 8,9 Prozent.

Die niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgen hatten bereits im März mit einem Protesttag auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Nach Angaben der KV Saarland steigt das Honorar der Vertragsärzte an der Saar dieses Jahr im Vergleich zu 2008 um durchschnittlich 8,9 Prozent. Trotzdem müssen aber rund 200 Praxen mit Einbußen von fünf Prozent und mehr rechnen. Zu 75 Prozent sind davon Facharzt-Praxen betroffen. Bei den Orthopäden an der Saar belaufen sich die Einbußen nach KV-Angaben auf durchschnittlich 5,9 Prozent. 75 der 1360 Kassenarzt-Praxen im Saarland stehen dem Vernehmen nach unter Bankaufsicht.

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