Ärzte Zeitung, 30.04.2009

Hoppe strebt fünfte Amtsperiode an

Professor Jörg-Dietrich Hoppe will es noch einmal wissen. Der Präsident der Bundesärztekammer tritt erneut als Spitzenkandidat des Marburger Bundes bei den Wahlen der Ärztekammer Nordrhein an.

Von Ilse Schlingensiepen

Bei erneuter kompletter Amtszeit wäre Jörg-D. Hoppe 21 Jahre im Amt.

Foto: dpa

DÜSSELDORF. Ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht. Auch Kammermitglieder, die einen Generationswechsel an der Kammerspitze für sinnvoll halten, erwarten eine Wiederwahl Hoppes. Das wäre dann seine fünfte Amtszeit. "Ich war 17 Jahre Vizepräsident und 16 Jahre Präsident, das ist in Deutschland nicht so häufig", sagt Hoppe im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Ich bin aufgefordert worden, weiterzumachen", sagt der 68-Jährige.

Die Tätigkeit als Kammerpräsident mache ihm nach wie vor Freude, auch wenn sie in den vergangenen Jahren sehr viel schwieriger geworden sei. Der Präsident der Bundesärztekammer hält das Engagement auf Landesebene für unverzichtbar. "Man muss die Probleme der Ärztinnen und Ärzte hautnah miterleben", betont der Pathologe, der seit seiner Pensionierung als Klinikarzt in einer niedergelassenen Praxis am Krankenhaus arbeitet.

Seit langem macht sich Hoppe für den Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit stark. In der GKV sähen sich die Ärzte einer immer größeren Zahl von Richtlinien und Einschränkungen gegenüber, kritisiert er. "Das darf so nicht weitergehen, denn der Arzt wird langsam zum Vollstrecker standardisierter Vorgaben, der Patient wird in Schablonen gepresst und zum Diagnoseträger."

Die Ärztekammern müssten evaluieren, welche Folgen Instrumente wie die diagnose-bezogenen Fallpauschalen und Disease Management Programme auf die ärztliche Tätigkeit haben. "Wir müssen prüfen, ob die ärztliche Diagnose nicht durch den betriebswirtschaftlichen Blickwinkel modifiziert wird", sagt er. Handlungsbedarf sieht er bei der Anpassung der ärztlichen Weiterbildung an die geänderten Strukturen. Der ambulante Sektor müsse in der Weiterbildung eine stärkere Rolle spielen, anders als früher könnten Ärzte in der Klinik nicht mehr den kompletten Behandlungsverlauf kennenlernen. "Die Neuorganisation der Weiterbildung ist noch nicht voll ausgereift", räumt Hoppe ein.

Ein wichtiges Thema ist zurzeit die elektronische Gesundheitskarte (E-Card). In Nordrhein soll der Basis-Rollout beginnen, den viele Ärzte skeptisch sehen. Das hat der ÄKNo-Vorstand - in dem alle Fraktionen vertreten sind - im Zeichen des Kammerwahlkampfs aufgegriffen und sich für eine Denkpause beim Rollout ausgesprochen. Die Kammer müsse darauf achten, dass die E-Card das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nicht schädigt, sagt Hoppe. Ein Zurückdrehen der technischen Entwicklung wird es aber seiner Einschätzung nach nicht geben. "Wir müssen uns dem Problem stellen und sehen, dass wir den höchstmöglichen Grad an Sicherheit erreichen."

Die Strukturreform der KVen habe auch die Rolle der Kammern verändert. Viele Niedergelassene empfänden die KV heute eher als Behörde denn als Interessenvertretung. "Dadurch haben sich viele Hoffnungen auf uns verlagert." Vieles, was Ärzte von der Kammer erwarteten, könne sie aber gar nicht erfüllen. "Wenn die Erwartungen zu groß sind, kann die Hoffnung schnell in Enttäuschung umschlagen", sagt Hoppe.

Offen ist, wer in das Rennen um die Vizepräsidentschaft geht. Der Düsseldorfer Internist Dr. Arnold Schüller, der seit 1993 gemeinsam mit Hoppe an der ÄKNo-Spitze steht, tritt nicht wieder an. Außer dem Marburger Bund als größter Fraktion gibt es derzeit in der Kammerversammlung noch die Fraktionen Voxmed und Freie Selbstverwaltung. Aus ihren Reihen hat noch kein Kandidat den Hut in den Ring geworfen.

Mit Spannung wird erwartet, wie die Freie Ärzteschaft abschneidet, die in Nordrhein unter dem Motto "Frischen Wind in die Kammer" erstmals antritt. Besonders der Düsseldorfer Liste wird zugetraut, einige Sitze zu gewinnen. Dort kandidieren der Präsident und der Vizepräsident des Verbands, Martin Grauduszus und Hans-Peter Meuser.

1849 Kandidaten verteilen sich auf 58 Listen

Zu den Wahlen zur Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo), die erstmals für fünf statt bisher vier Jahre bestimmt wird, treten in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln insgesamt 58 Listen an. Für die 121 Sitze im Kammerparlament schickt der Marburger Bund dabei neun Listen ins Rennen, die Freie Selbstverwaltung zehn. Unter dem Dach der Kammerfraktion Voxmed haben sich 25 Listen versammelt, darunter die des Hausärzteverbands. Um einen Platz in der Kammerversammlung oder in Vorständen der ÄKNo-Kreisstellen bewerben sich insgesamt 1849 Ärztinnen und Ärzte, bei den Wahlen im Jahr 2005 waren es 1537. Gewählt wird nach dem Verhältniswahlsystem, jeder Wähler hat eine Stimme. Die kann er nur der kompletten Liste, nicht einzelnen Kandidaten geben. Die Briefwahl läuft noch bis 8. Mai 18 Uhr. (iss)

Erhalt der Freiberuflichkeit ist sein großes Thema.

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