Ärzte Zeitung, 06.05.2009

Psychische Erkrankungen bleiben häufig unentdeckt

Studie zeigt Defizite in Hausarztpraxen

KÖLN (iss). Psychische Erkrankungen bleiben in Hausarztpraxen oft unentdeckt. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung.

Obwohl sich ein großer Teil der Patienten zunächst oder ausschließlich an den Hausarzt wendet, stellt er nur bei gut acht Prozent eine entsprechende Diagnose. Gehen die Patienten zum Psychiater, zum Psychotherapeuten oder in eine psychiatrische Institutsambulanz, wird in mehr als der Hälfte der Fälle eine psychische Erkrankung diagnostiziert.

Für den Gesundheitsmonitor befragt tns Healthcare seit 2001 zweimal pro Jahr eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung zu verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens. In die Umfrage im Herbst 2008 waren rund 1500 18- bis 79-Jährige einbezogen.

Von ihnen gaben 21 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten wegen psychischer Probleme beim Arzt oder Psychotherapeuten gewesen zu sein. Von denen, die beim Hausarzt waren, hatte aber nur die Hälfte die psychische Beeinträchtigung als Beratungsanlass genannt. Genau diese Gruppe bewertete die Kompetenz und das Kommunikationsverhalten der Hausärzte deutlich schlechter als Patienten, die entweder keine psychische Beeinträchtigung oder sie von sich aus thematisiert hatten.

Die Ergebnisse zeigten, dass Hausärzte mögliche psychische Krankheitsursachen immer im Blick haben und offensiv ansprechen müssen, sagt Timo Harfst von der Bundespsychotherapeutenkammer, der die Umfrage gemeinsam mit Dr. Gerd Marstedt von der Uni Bremen analysiert hat. "Viele Patienten brauchen die Brücke, die der Arzt ihnen baut", betont Harfst.

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Das Opfer des Schweigens

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