Ärzte Zeitung online, 15.05.2009

Gentests werden geregelt - Gesetz hat Bundesrat passiert

BERLIN (dpa). Nach jahrelanger Debatte haben strengere Regeln für Gentests die letzte Hürde genommen. Das Gendiagnostikgesetz passierte am Freitag den Bundesrat. Genetische Untersuchungen sollen immer freiwillig sein. Missbrauch der brisanten Daten etwa durch Versicherungen oder Arbeitgeber soll verhindert werden.

Heimliche Vaterschaftstests werden mit bis zu 5000 Euro bestraft. Babys dürfen vor der Geburt aus medizinischen Gründen getestet werden - aber nicht auf Geschlecht und mögliche Eigenschaften hin. Arbeitgeber und Versicherungen dürfen von Bewerbern und Kunden grundsätzlich keine Gentests verlangen. Ausnahmen gelten nur für Versicherungssummen ab 300 000 Euro.

Vor jedem Gentest ist künftig eine Beratung verpflichtend. Im Gesetz ist ein Recht auf Wissen wie auf Nichtwissen festgeschrieben. Betroffene müssen Gentests rechtswirksam zugestimmt haben.

Um die letzten Details war zwischen Union und SPD monatelang gerungen worden. Anders als ursprünglich vorgesehen werden vorgeburtliche Untersuchungen auf Krankheiten im Erwachsenenalter verboten. Bereits vor sieben Jahren hatte die Enquête-Kommission "Recht und Ethik in der modernen Medizin" ein Gendiagnostikgesetz empfohlen. Unter Rot-Grün wurde ein Anlauf für die sensiblen ethischen Regeln genommen, doch das Gesetz fiel 2005 dem Ende der Legislaturperiode zum Opfer.

Die 300 000 Tests pro Jahr sind nicht immer hilfreich. Schwierig kann es werden, wenn man ein künftiges Leiden erkennen, es aber nicht heilen kann. Nur wenige Krankheiten wie das Nervenleiden Chorea Huntington können klar vorhergesagt werden. Oft kann durch einen Gentest nur ein erhöhtes Risiko etwa für Krebs erkannt werden. Dies kann dann das Leben erheblich erschweren.

Niemand kann sagen, wie dauerhaft die Regelungen angesichts der sich weiter entwickelnden Medizinforschung sind. Eine beim Berliner Robert Koch-Institut angesiedelte Gendiagnostik-Kommission soll deshalb künftig kontinuierlich neue Methoden und Erkenntnisse der genetischen Diagnostik beobachten und bewerten.

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