Ärzte Zeitung, 20.05.2009

Beratungsstellen helfen Online-Süchtigen

Hessisches Gesundheitsministerium und Techniker Kasse finanzieren Hilfsprojekt

WIESBADEN (ine). In Hessen gibt es etwa 50 Beratungs- und Anlaufstellen zum Thema Onlinesucht. Sie sind Teil des bundesweit einmaligen Projektes "Netz mit Webfehlern?®". Finanziert wird das Projekt vom Gesundheitsministerium in Wiesbaden mit jährlich 210 000 Euro, auch die Techniker Krankenkasse beteiligt sich daran.

"Uns erreichen immer mehr Anfragen von Eltern, Angehörigen oder Lehrern zu diesem Thema", sagt Wolfgang Schmidt, Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS). Die Selbsthilfe-Dachorganisation hat das Projekt entwickelt. Dabei geht es um Nutzer, die regelmäßig viele Stunden am Computer verbringen und soziale Kontakte, Schule und Beruf vernachlässigen. Im Blick hat die Landesstelle dabei vor allem Rollenspiele wie "World of Warcraft" sowie Foren.

Um herauszufinden, ob es sich um ganz normales Surfen im Netz handelt, oder ob bereits eine Sucht vorliegt, hat die HLS eine Checkliste entwickelt. Gefährdet ist, wer etwa täglich mindestens fünf Stunden der Freizeit am PC verbringt und wer ohne das Spiel am Computer lustlos und gereizt ist. Wenn dann noch Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche und Schlafmangel dazu kommen, "hat der PC-Konsum schon deutliche Spuren hinterlassen", heißt es bei der Landesstelle.

Entwickelt wurden deshalb spezielle Broschüren sowie eine Adressdatenbank mit allen Anlaufstellen, die Unterstützung, Beratung und Hilfe anbieten. Landesweit gibt es 26 Suchtberatungsstellen für Betroffene und Angehörige sowie 20 Fachstellen für Suchtprävention und drei spezielle Fachstellen für Mediensucht an den drei Suchtberatungsstellen in Kassel, Wiesbaden und Frankfurt/Main. Zudem gibt es eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Computersüchtigen in Darmstadt.

Das Projekt wird von der Techniker Kasse mit über 40 000 Euro im vergangenen Jahr und knapp 45 000 Euro in diesem Jahr unterstützt. Die Kasse plant, das Konzept auch in anderen Ländern zu übernehmen.

Die Broschüren können von der Homepage der HLS www.hls-online.org heruntergeladen werden.

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