Ärzte Zeitung, 05.06.2009

Jungen leiden deutlich häufiger an Entwicklungsstörungen

Untersuchung der Hamburger Gesundheitsbehörde und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

HAMBURG (di). Jedes dritte Hamburger Kind zwischen zwei und fünf Jahren ist von einer Entwicklungsverzögerung oder Behinderung bedroht. Jungen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Foto: Maristella ©www.fotolia.de

Dies ergab eine Erhebung der Gesundheitsbehörde in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. In die Erhebung flossen die Auswertungen von Untersuchungen von insgesamt 1836 Kindern aus 25 Kinderarztpraxen in Hamburg ein. Jeweils ein Drittel der Untersuchungen entfiel auf die U7, U8 und U9.

Bei 1226 (67 Prozent) der Kinder wurde keine drohende oder bestehende Entwicklungsverzögerung festgestellt. Von den betroffenen 610 Kindern waren 62 Prozent Jungen, obwohl die Geschlechter gleichmäßig in der Untersuchung verteilt waren.

Zu den Defiziten zählen etwa vermindertes Sehvermögen, nicht altersgerechtes Sprechen oder Gleichgewichtsstörungen. Jungen sind lediglich beim Sehen weniger auffällig als Mädchen und beim Hören gleichauf. Deutlich im Rückstand sind sie beim Sprechen.

Die meisten Verzögerungen wurden im Bereich der vier- bis fünfjährigen Kinder dokumentiert. Die Gesundheitsbehörde sieht darin einen Beleg für eine Lücke, die zwischen der U7 im zweiten und der U8 im vierten Lebensjahr bestand. Im vergangenen Sommer war diese Lücke mit der neu eingeführten U7a für den 34. bis 36. Lebensmonat in Hamburg geschlossen worden. Damit sollen insbesondere sprachliche Defizite früher festgestellt werden.

Der Bericht macht auch deutlich, dass die Untersuchungen U1 bis U9 seit 2004 mit steigender Tendenz angenommen werden und in der Regel Teilnehmerraten von über 90 Prozent erreichen. Allerdings fällt die Teilnahme mit steigendem Alter der Kinder. Außerdem bleibt die Quote in einigen Stadtteilen und bei Kindern aus Familien mit ausländischer Herkunft unter dem Durchschnitt. Die Gesundheitsbehörde hält deshalb weitere Anstrengungen zur Bewerbung der Untersuchungen für notwendig.

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