Ärzte Zeitung, 09.06.2009

Britische Hausärzte dürfen Abtreibungen vornehmen

Ministerium will Ausnahmen demnächst zulassen

LONDON(ast). Abtreibungen beim Hausarzt - das könnte in Großbritannien schon bald Wirklichkeit sein. In zahlreichen britischen Hausarztpraxen werden demnächst Schwangerschaftsabbrüche angeboten. Die Pläne des Gesundheitsministeriums sind kontrovers.

Bislang müssen Patientinnen ins staatliche Krankenhaus oder in eine private Klinik gehen, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. Patientenverbände und zahlreiche Pro-Abtreibungsorganisationen verlangen seit Jahren eine Reform des aus dem Jahre 1967 stammenden Abtreibungs-Gesetzes. Danach dürfen nur Krankenhäuser den Eingriff vornehmen, allerdings kann der Gesundheitsminister Ausnahmen zulassen.

Kürzlich hatte das Londoner Gesundheitsministerium einer Primärarztpraxis in Wolverhampton die Erlaubnis erteilt, Abtreibungen bis zur neunten Schwangerschaftswoche vorzunehmen. Im nordenglischen Newcastle upon Tyne liegt ebenfalls ein solcher Antrag einer Hausarztpraxis vor. Wie aus Meinungsumfragen hervor geht, wünschen sich Patientinnen einen verbesserten Zugang zu Schwangerschaftsunterbrechungen. Im vergangenen Jahr gab es 13 000 Patientinnen, die nach der neunten Woche ihre Schwangerschaft abgebrochen haben.

In jedem Fall gilt: Abtreibungen in Hausarztpraxen dürfen nur medikamentös vorgenommen werden. Daran werde sich nichts ändern, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf Anfrage in London.

Innerhalb der Ärzteschaft gibt es nach Angaben des britischen Ärztebundes British Medical Association (BMA) ebenfalls eine Mehrheit, die dafür ist, Hausarztpraxen in das Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen mit einzubeziehen.

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