Ärzte Zeitung, 15.06.2009

"Wir misstrauen Deutschlands Ärzten nicht"

Versicherte der AOK können ihren Ärzten auf einem Internetportal der Kasse künftig Noten geben. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" erläutert AOK-Bundesvize Jürgen Graalmann das Konzept.

"Wir misstrauen Deutschlands Ärzten nicht"

"Wir begreifen die Ärzte als Partner. Es geht es uns mit dem Portal nicht darum, Mediziner an den Pranger zu stellen oder gar Regresse zu fordern."
Jürgen Graalmann
Vizechef des AOK-Bundesverbandes

Das Gespräch führte Bülent Erdogan

Ärzte Zeitung: Herr Graalmann, die AOK plant ein Arztbewertungsportal namens "AOK-Arzt-Navigator". Darauf sollen Ihre Versicherten ihre Eindrücke über den Service und die gefühlte Behandlungsqualität schildern. Misstrauen Sie Deutschlands Ärzten?

Graalmann: Wir misstrauen Deutschlands Ärzten nicht und wissen, dass viele Ärzte sich über die Bestätigung ihrer Arbeit durch Patienten freuen. Im Rahmen unserer Offensive für mehr Transparenz wollen wir mit dem Bewertungsportal den Aspekt der Qualität in der ambulanten Versorgung deutlich stärker in den Fokus rücken. Wir glauben, dass dies mit diesem Portal möglich sein wird.

Ärzte Zeitung: Nach welchen Kriterien sollen die Versicherten ihre Ärzte bewerten?

Graalmann: Für uns ist die Bewertung der Ärzte durch unsere Versicherten ein Baustein: So werden wir die Versicherten nach Wartezeiten befragen, dem Service, der subjektiv wahrgenommenen Behandlungsqualität und der Einbindung in Entscheidungsprozesse. Der andere Baustein ist unser Projekt QISA, mit dem wir als erste Krankenkasse überhaupt gemeinsam mit dem AQUA-Institut Messkriterien und Indikatoren für die ambulante Versorgung entwickeln. Qualität ist eben nicht eindimensional.

Ärzte Zeitung: Aber wie aussagekräftig kann ein solches Portal überhaupt sein? Entscheidet der Versicherte künftig je nach Tagesform über die Reputation des Arztes?

Graalmann: Nein, wir stellen uns zwischen 15 und 20 fest vorgegebene Kriterien vor. Damit die Bewertungen überhaupt aussagekräftig sind, benötigen wir pro Arztpraxis eine gewisse Anzahl von Bewertungen. Wir werden niemals nur zwei oder drei Aussagen für eine Praxis freischalten. Darüber hinaus werden wir die Kriterien gemeinsam mit Wissenschaft und Ärzten definieren. Schon heute hat die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung Kriterien definiert.

Ärzte Zeitung: Wie viel schlechten Service und Fehlbehandlung haben wir in Deutschlands Praxen?

Graalmann: Wir bekommen immer wieder Beschwerden über Wartezeiten. Insgesamt stochern wir bei der Qualität und dem Qualitätsmanagement aber noch größtenteils im Nebel. Deshalb starten wir zum einen unser QISA-Projekt, zum anderen die Versichertenbefragung.

Ärzte Zeitung: Sind je nach Ausgestaltung des Konzepts eines Tages auch Regresse vorstellbar?

Graalmann: Wir begreifen die Ärzte als Partner. Es geht es uns mit dem Portal nicht darum, Mediziner an den Pranger zu stellen oder gar Regresse zu fordern. Man muss sich insgesamt darüber unterhalten, ob man nicht die Honorierung der Ärzte mehr an Qualität orientiert. Voraussetzung dafür ist allerdings ein klares Indikatorensystem. Unsere Versichertenbefragung kann also niemals alleiniges Entscheidungskriterium sein.

Ärzte Zeitung: Wann soll das Portal starten?

Graalmann: Bis Ende dieses Jahres soll es fertig sein und Anfang 2010 an den Start gehen.

Jürgen Graalmann

Geboren am 3. Oktober 1968 in Leer macht Jürgen Graalmann nach Abitur und Wehrdienst eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bei der Barmer in Leer. Nach dem Studium am Institut für Versicherungswesen der Fachhochschule Köln wird er 2000 Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik bei der Barmer. 2006 wechselt er zum AOK-Bundesverband und wird 2008 Leiter des Stabsbereichs Politik. Seit Januar 2009 ist er AOK-Vize.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte-TÜV im Internet - Aufregung um AOK-Baby
Pro: Keine Scheu vor dem Vergleich!
Contra: Bewertungs-Fake im Internet
Ärzte-TÜV - Furcht vor Mobbing und Manipulation

 

[16.06.2009, 09:43:00]
Dr. Gerhard Smit  biokybernetik@web.de
Ärzte-TÜV
Bei Beschwerden wegen zu langer Wartezeiten ist der Arzt in der Regel der falsche Schuldige.
Der Arzt soll und muss sich Zeit für den Patienten nehmen. Die hat er aber nicht, weil Ärzte fehlen.
Ist er gut, ist das Wartezimmer voll.

Wie will der Patient den Arzt bewerten.

Aufgrund seiner Ausbildung kann der Arzt ca. 15 % der Patienten heilen.

Der Rest der Kranken wird als
- psychisch eingestuft, wobei die meisten davon nicht psychisch krank sind, sondern im Moment Probleme haben
- chronisch krank eingestuft und dass ist mit Medikamenten nicht heilbar.

Von diesen chronisch Kranken ist ein großer Teil funktionell krank, da kann der Arzt meistens nichts feststellen, obwohl die Beschwerden bestehen. Das Wissen um diese Erkrankungen wird den Ärzten seit ungefähr 1970 vorenthalten, weil dazu die organbezogene.Theorie der Schulmedizin nicht passt. Es sind andere Denkstrukturen gefragt.

Verschreibt der Arzt diesem Medikamente, so sieht ihn der Patient positiv an.
Verlangt der Arzt, dass er sich umstellt Ernährung und Bewegung ändert und verordnet er keine Medikamente, die dieser auch nicht braucht, so wird er meist negativ beurteilt.

Da das ca. > 60 % aller Kranken betrifft, wird die Bewertung vom Prinzip her falsch.

Statt dem Äzte TÜV eine Umgestaltzung des Gesundheitswesen, denn die Kosten des Gesundheitswesens werden immer größer!
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[15.06.2009, 17:15:25]
Alexander Beierl  info@scoutdesigner.de
Links antäuschen und rechts zuschlagen!
Ich halte generell nichts von solchen Bewertungsmöglichkeiten. Zu groß ist der Schaden der dabei angerichtet werden kann. Bewertungen dieser Art sollten emotionslos sein. Das kann die AOK und auch alle anderen nicht garantieren. Berücksichtigt man noch die Medienkraft der teilnehmenden AOK Mitgliedern kommt hier ein Stein ins Rollen der eine nicht kontrollierbare Lawine auslösen kann und wird. Einen tatsächlichen Nutzwert kann ich zu dem beim besten Willen nicht erkennen. Informationen ohne Inhalt braucht niemand. Und ob die Informationen qualitativ zu gebrauchen sind kann nicht wirklich bestätigt werden. Es wäre sicher eine bessere Lösung gewesen die Mitglieder zu den eigenen Leistungen zu befragen und hierbei die Ärzteschaft mit ins Boot zu holen. Sich selbst zu hinterfragen ist der bessere Weg zur Optimierung der Kommunikation und Dialogförderung.

Mit den besten Grüßen,
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