Ärzte Zeitung, 22.06.2009

Das schreiben die Anderen

"Jedes Argument wog schwer"

Die Patientenverfügung ist auch in vielen Zeitungen ein heftig diskutiertes Thema. Ein Auszug:

Süddeutsche Zeitung

Es gibt gewichtige Argumente dafür, dass auch ein Gesetz diese Unsicherheit nicht ganz beenden wird. Sterben lässt sich nicht normieren, es kommt auf den individuellen Fall an. Deshalb ist es richtig, dass der jetzt beschlossene Entwurf vorsieht, Verfügungen durch die Ärzte und Betreuer überprüfen zu lassen, wenn offenkundig ist, dass sie nicht zur konkreten Situation passen. Ärzte haben nun mehr Rechtssicherheit, aber sie müssen den Spielraum auch nutzen, den ihnen das Gesetz gibt.

Frankfurter Rundschau

Die Anhänger einer engen Auslegung der Verfügung waren vom verständlichen Willen beseelt, Patienten nicht ungewollt einem zusätzlichen Risiko auszusetzen, indem sie in die Verfügungen viele Sicherungen einbauen wollten. Sie wollten die Patienten auch vor sich selbst schützen. Wer sich ausgiebig informiert, eingehend beraten lässt und seine Verfügung regelmäßig überprüft, entgeht aber dem Risiko, dass seine Verfügung in einer bestimmten Situation gar nicht seinem Willen entspricht. Wer sich nicht festlegen will, schließt erst gar keine Verfügung ab.

Kölner Stadt-Anzeiger

Keine Position, die in den vergangenen sechs Jahren formuliert wurde, war schwächlich begründet, jedes der Argumente wog schwer. Es ist gut, dass der Entwurf des SPD-Abgeordneten Stünker sich durchgesetzt hat. Er schafft Klarheit und Rechtssicherheit für Patienten und deren Angehörige, für Betreuer und Bevollmächtigte, für Mediziner und Pflegekräfte: Schriftliche Patientenverfügungen sind verbindlich. Punkt. Und er schafft Verpflichtung für jeden Einzelnen, sich mit den Umständen des eigenen Todes, mit den Risiken und Chancen ärztlicher Heilkunst und des medizinischen Fortschritts auseinanderzusetzen.

Neue Osnabrücker Zeitung

Überraschend deutlich haben nun die Abgeordneten einem Antrag zugestimmt, der das Recht auf Selbstbestimmung klar über den Schutz des Lebens stellt. Das ist kein Grund zur Freude. Die Ärzte haben damit nicht mehr viel zu sagen, obwohl sie den Gesundheitszustand eines Patienten noch am besten einschätzen können. (...) Aber manche Gefahren dürfen nicht übersehen werden. Etwa die, dass ein Mensch seinen Willen zum Leben im Verlauf einer Krankheit ändern kann. Oder, dass Patienten aufgrund des allgemeinen Kostendrucks sterben wollen, um Angehörigen nicht zur Last zu fallen.

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