Ärzte Zeitung online, 23.06.2009

Bayerns Fachärzte rücken Studenten in den Fokus

MÜNCHEN (sto). Dass die Arbeits-bedingungen für Ärzte in Deutschland nicht die besten sind, hat sich inzwischen auch bei Medizinstudenten herumgesprochen.

"Wir wissen, dass die Verhältnisse nicht gerade rosig sind", berichtete der Student Sebastian Hambauer, der an der Universität München im 4. Semester Medizin studiert, bei einer Pressekonferenz der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) Bayern. Die Schweiz sei auch bei Medizinstudierenden sehr beliebt, berichtete der PJler Anian Kammerloher: Denn dort werde man auch im praktischen Jahr anständig bezahlt.

Zu ihrem landesweit 5. Aktionstag hatte die GFB Bayern die Berufsperspektiven von Medizinstudenten thematisiert, um so vor einem drohenden Ärztemangel zu warnen. Die negative Stimmung schlage inzwischen schon auf die Studierenden durch, erklärte GFB-Vorsitzender Dr. Thomas Scharmann.

Während 1993 noch 11 556 Abiturienten ein Medizinstudium aufnahmen, sei diese Zahl auf 8724 im Jahr 2006 gesunken. Noch schlimmer sei, dass nahezu jeder dritte Absolvent gar nicht mehr in der Patientenversorgung ankommt, so Scharmann. "Aus dem einstigen Studentenstrom droht ein Rinnsal zu werden", sagte er.

Diese Entwicklung werde auch von den Medizinstudierenden bemerkt, berichtete Franziska Wachter, die ebenfalls an der Universität München im 4. Semester Medizin studiert. Den Argumenten von Politikern, die Medizin der Zukunft sei von Ärztinnen geprägt, die als Angestellte nur noch Teilzeit arbeiten werden, hielt sie entgegen: "Die Vorstellung, dass der Mann der Ernährer der Familie ist, gehört endgültig der Vergangenheit an". Gerade weil das Medizinstudium eine so teuere Ausbildung sei, müsse der Arztberuf wieder attraktiver werden, forderte Wachter.

"Genauso wie die Ärzte Planungs-sicherheit brauchen, brauchen auch die Medizinstudierenden eine verlässliche Perspektive", meinte Kammerloher. Fünf Reformen in fünf Jahren sei einfach zu viel.

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