Ärzte Zeitung, 15.07.2009

Viel Arbeit für den Suchtbeauftragten der hessischen Landesärztekammer

In 18 Monaten über 70 Anfragen / Erfolgsquote nach Therapie liegt bei 80 Prozent

FRANKFURT/MAIN (ine). Mehr als 70 Ärzte haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren an den Suchtbeauftragten der Landesärztekammer Hessen gewandt und um Unterstützung gebeten.

Die Anlaufstelle für suchtkranke Ärzte bietet selbst keine Therapien an, sondern vermittelt geeignete Behandlungsmöglichkeiten.

Hohes Berufsethos verstärkt den Druck auf Betroffene

Wie in dem Beitrag "Halbgötter in Not" in der ZDF-Sendereihe "37 Grad" zu sehen war, ähneln sich die auslösenden Faktoren für Suchtverhalten (wir berichteten). "Ständiger Leistungsdruck und Überforderung verleiten viele Menschen dazu, sich mit Alkohol oder Tabletten vermeintliche Erleichterung zu verschaffen. Irgendwann haben sie den Griff zur Weinflasche oder in die Medikamentenschachtel jedoch nicht mehr unter Kontrolle. Das trifft für Ärzte ebenso zu wie für andere Berufsgruppen, die unter einer hohen Stressbelastung stehen", so Dr. Mark Siegmund Drexler, niedergelassener Internist und Suchtbeauftragter der LÄKH. Bei Ärzten komme erschwerend die Spannung zwischen Erwartungsdruck und Berufsethos hinzu.

Bei früher Behandlung ist Approbation oft zu retten

"Sie leiden unter Arbeitsverdichtung, tragen eine hohe berufliche Verantwortung und spüren den Druck, permanent leistungsbereit sein zu müssen. Immer häufiger kommt es deshalb zu Erschöpfungszuständen." Je früher die Behandlung beginne, desto eher könne der Entzug der Approbation vermieden werden. In Hessen hilft der Suchtbeauftragte bei der Auswahl der Klinik, bei der Vermittlung einer Praxisvertretung und bei der Organisation der ambulanten Nachbetreuung.

Dabei wird mit den Betroffenen eine freiwillige Vereinbarung geschlossen, die für die Dauer von zunächst einem Jahr gilt: Darin verpflichten sie sich unter anderem, eine monatliche Untersuchung durch einen Gutachter samt psychopathologischen Befunden zuzulassen, jede Woche zum Psychotherapeuten zu gehen und regelmäßig Selbsthilfegruppen zu besuchen. Ziel der Therapie ist es, den Betroffenen wieder die Arbeit als Arzt zu ermöglichen. Etwa 70 bis 80 Prozent der Ärzte blieben nach einer Therapie abstinent.

Weitere Infos zum Thema Ärzte und Sucht gibt es unter folgenden Adressen:
www.laekh.de
www.bundesaerztekammer.de
www.aerztegesundheit.de
www.oberbergkliniken.de

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