Ärzte Zeitung online, 02.08.2009

"Impfung gegen H1N1 ist kein Großversuch"

Paul-Ehrlich-Institut sieht Sicherheit der Vakzine außer Frage / Reaktion auf Bericht in "Spiegel online"

LANGEN (mal). Die kommenden Impfstoffe gegen die Schweinegrippe sind nach europaweit geltenden Regeln in klinischen Studien überprüft worden.

Foto: BilderBox

"Es liegt eine breite Datenbasis vor von den einzelnen Bestandteilen dieser Impfstoffe. Deswegen hat die Anwendung dieser Vakzine in keiner Form auch nur annährend etwas mit einem "Großversuch" zu tun", betont Dr. Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, in Reaktion auf einen Beitrag von "Spiegel online".

In diesem Beitrag mit dem Titel "Großversuch an der deutschen Bevölkerung" heißt es im Hinblick auf die geplante Impfung gegen die Neue Grippe: "Doch Mediziner warnen vor heftigen Nebenwirkungen - die nach SPIEGEL-Informationen bis zu 250 000 Menschen betreffen könnten." Und es wird der Arzt und Herausgeber des "Arznei Telegramms", Wolfgang Becker-Brüser, zitiert: "Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung." Die Sicherheitstests der Musterimpfstoffe seien nicht besonders umfangreich.

Diese Aussage, so Stöcker, sei falsch. Denn die Adjuvantien in den Musterimpfstoffen würden auch in anderen Impfstoffen verwendet. Und zur Verträglichkeit dieser Adjuvanz-Systeme lägen die Daten bereits vor. Von der Europäischen Kommission, so Stöcker, habe die Zulassung deshalb mit gutem Gewissen erteilt werden können. "Sehr, sehr seltene Nebenwirkungen wird man immer erst in der breiten Anwendung finden", so Stöcker. Das sei bei jedem Impfstoff so.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Wann kommen denn nun die Pandemie-Impfstoffe?

Weitereaktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe(Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

[04.08.2009, 11:30:21]
Annette Mende 
Mehr Öffentlichkeit für die "Ärzte Zeitung"!
Per Mail erreichte und folgender Leserkommentar von Frau Stephanie Apelt:
"Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihre Artikel zu H1N1 an eine breitere Öffentlichkeit gelangen. Sie sind leicht verständlich und wohltuend sachlich gehalten. Es ist unerträglich wie viel Unfug darüber in den Medien verbreitet wird. Dieser Unfug treibt gefährliche Blüten bei Verantwortlichen für Kinder (Lehrer, Erzieher, Eltern) in Form von Ignoranz bis hin zu Verschwörungstheorien. Impfungen werden abgelehnt, verteufelt, Hygienemaßnahmen als "nutzt sowieso nichts" halbherzig oder gar nicht durchgesetzt. Damit werden Kinder überflüssigen Gefahren ausgesetzt und es werden Ihnen schlechte Vorbilder präsentiert. Bitte nehmen Sie die Diskussion als Humanmediziner in die Hand und treten sie stärker sichtbar in Erscheinung." zum Beitrag »

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